Subaru Levorg – der mit der Hutze

 

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Von Klaus H. Frank

Der Nachbar ist beeindruckt: „Wow, der muss ja ordentlich was unter der Haube haben“, sagt er und richtet seinen Zeigefinger auf die auffällige Hutze, die die Motorhaube des Subaru Levorg ziert. Naja, „ziert“ ist wohl das falsche Wort. Verunziert möchten wir aber dennoch nicht sagen, obwohl solch eine Hutze, die wir eher aus dem Rennsport oder von dicken Ami-Musclecars kennen, nicht wirklich zu einem braven Familienkombi passt.  Schon gar nicht, wenn der voluminöse Einlass nur einem 1,6-Liter-Vierzylinder-Motörchen mit 170 PS Frischluft zuführen soll.

Nun, die Designer werden sich schon was dabei gedacht haben, wollten die Hutze sicherlich als Reminiszenz an den legendären WRX STI verstanden wissen, jenem legendären Rallye-Sportwagen, der mit seinem Heckspoiler in Kneipentheken-Größe und goldfarbenen Felgen auch heute noch seine Fans in Verzückung versetzt. Obgleich viele den WRX als den Inbegriff eines Proll-Autos sehen – er hat was, ganz abgesehen von seinen 300 PS. Im Moment schickt ihn Subaru in einer letzten auf 122 Exemplare limitierten „Final Edition“ auf die Straße – und dann ist Schluss. Übrigens: Die Hutze auf dem Levorg macht richtig Sinn auf der Autobahn – dort sorgt sie für ein erstaunlich gutes Überhol-Image.

Zurück zum Levorg, dessen etwas seltsamer Name sich aus LEgacy, reVOlution und touRinG zusammensetzt – darauf muss man mal kommen. Wollen wir die anfängliche Stänkerei über die Hutze mal vergessen,  uns den Fakten zuwenden und nach einem ausführlichen Test konstatieren: Der Subaru Levorg ist ein gutes Auto mit hoher Alltagstauglichkeit und einigen sportlichen Ambitionen, was sich vor allem im Design niederschlägt. Speziell das Heck kann gefallen mit seinem Dachspoiler, zwei Auspuffendrohren und einem Diffusor. Sehen wir von besagter Hutze mal ab, dann finden wir den Hexagonal-Grill und die LED-Scheinwerfer in Falkenaugen-Form mit integrierten C-förmigen LED-Tagfahrleuchten wirklich schick.

Kombis stehen in der Regel für reichlich Kofferraum – und den hat der Levorg. 522 Liter Gepäckraumvolumen lassen sich durch Umklappen der Rücklehnen schnell auf 1446 Liter erweitern. Kein Rekord zwar, aber immerhin so viel Platz, dass die vierköpfige Familie getrost in Urlaub fahren kann – und Dackel Waldi und das knallgelbe Gummiboot nicht zuhause lassen muss. Angenehm niedrig ist die Ladekannte, praktisch sind weitere 40 Liter fassende Staufächer unter dem Ladeboden.  Auch im Innenraum ist der Levorg (Länge 4,69 Meter, Breite 1,78 Meter, Höhe 1,485 Meter)  sehr geräumig, überzeugt mit sehr wertigem Mobiliar und Materialien, die sich angenehm anfassen lassen. Aufgefallen sind uns vor allem die schicken blauen Nähte auf dunkelgrauem Leder. Das kommt richtig gut.

Der 1,6-Liter Turbo-Benziner ist drehfreudig und arbeitet wie die Triebwerke bei Porsche nach dem Boxer-Prinzip – und das bedeutet: angenehm leiser und vibrationsarmer Lauf. Als Boxer kann das Triebwerk sehr tief eingebaut werden, was für einen niedrigen Schwerpunkt und damit bester Kurvendynamik führt. Die 170 PS sorgen für eine zügige Beschleunigung (0 auf 100 in 8.9 Sekunden) und eine Spitze von 210 km/h. Das maximale Drehmoment von 250 Nm zwischen 1800 und 4800 U/Min sorgt für ausreichend Kraft.  Die stufenlose CVT-Automatik (Lineartronic) simuliert sieben Gänge und hat den nervenden Gummiband-Effekt nahezu komplett verloren. Außerdem können die Gänge per Hand über Schaltwippen am Lenkrad oder mit dem Automatikwählhebel gewechselt werden. Das funktioniert eigentlich am besten. Überzeugend sind die Fahreigenschaften des straff abgestimmten Fahrwerks. Die Lenkung ist sehr direkt und präzise. Der Verbrauch allerdings ist zu hoch – im Test waren es, nicht wie vom Hersteller angegeben, 7,2 Liter, sondern 9,5 Liter, was natürlich auch dem permanenten Allradantrieb geschuldet ist.

Subaru ist der größte Hersteller von Allradfahrzeugen weltweit – nicht Audi, wie so mancher Zeitgenosse denken könnte. Die Japaner setzten dabei auf ein symmetrisches Allradsystem, was bedeutet , dass vom längs eingebauten Boxermotor bis zum Hinterachsdifferenzial der gesamte Antriebsstrang entlang der Fahrzeugmittelachse verläuft, was für ein hervorragendes Fahrverhalten sorgt.

Mehr als nur bemerkenswert ist der Sicherheitsstandard des Subaru Levorg. Hervorragend ist hier das System Eyesight. Der Levorg besitzt einen Innenspiegel mit Kamerafunktion. Bei Aktivierung des Spiegelmonitors überträgt eine Kamera, die im oberen Bereich des Fahrzeughecks sitzt, ein Bild des rückwärtigen Bereichs auf den Innenspiegel. Außerdem verfügt der Levorg über eine Frontfahrkamera, die ein Bild des vor dem Fahrzeug liegenden Bereiches auf das Multifunktionsdisplay (5,9 Zoll) im Cockpit überträgt. So können etwa spielende Kinder nicht übersehen werden.

Das Kamerasystem registriert nicht nur Autos oder Motorräder, sondern auch Radfahrer und Fußgänger und kann dank des Notbremssystems mit Kollisionswarner einen Aufprall bis zu einer Geschwindigkeitsdifferenz von 50 km/h verhindern. Liegt sie höher, können die Unfallfolgen deutlich reduziert werden. Genial ist die adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung: Eyesight erkennt nach dem Einstellen einer gewissen Geschwindigkeit mit dem Tempomaten, wenn sich der Subaru Levorg einem langsameren Fahrzeug nähert oder ein anderes Auto auf die eigene Spur wechselt und passt die Geschwindigkeit automatisch an den Vorausfahrenden an. Dies funktioniert bei Geschwindigkeiten zwischen 30 und 180 km/h. Bremst der Vordermann zum Stillstand, stoppt auch der Levorg.

Den Preis für den von uns gefahrenen Levorg 1.6 GT Sport Lineartronic von 37 200 Euro mag zwar mancher als etwas hoch betrachten. Ist er aber nicht. Denn die Ausstattung ist mehr als komplett. Sonderausstattung muss man mit der Lupe suchen. Deshalb: Daumen hoch für den Subaru Levorg. (autour24/khf)

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