VDAT kritisiert EU-Vorschriften auf Tuning-Messe

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Poser und Teilnehmer an illegalen Autorennen sind KEIN Teil der seriösen Tuningszene. Deren überwiegend autobegeisterten Menschen, gehen ihrem Hobby im Rahmen der geltenden Regeln nach! Diese erschweren aber teilweise die verantwortungsvolle Arbeit, erklärte der Verband der Automobil-Tuner auf der Tuning World Bodensee 2018 und kritisierte dabei das „Geo-Blocking“ der Europäischen Union.

Insgesamt präsentieren sich heuer mehr als 25 VDAT-Mitglieder in Friedrichshafen, betonte Geschäftsführer Harald Schmidtke. Darunter waren DTE-Systems, G-Power, HG-Motorsport, RFK-Tuning, RH-Alurad, ROC Schmiederad und Wolf-Racing sowie nicht zuletzt die Kampagne TUNE IT! SAFE! In Letzterer ist auch die KÜS als Prüforganisation aktiv und war an allen vier Messetagen vor Ort mit dem Prüfingenieur Thomas Schuster als Ansprechpartner vertreten.

Sein besonderes Anliegen ist es, Tuning-Interessierten die Konformitätsstandards näher zu bringen und sie bei zukünftigen Tuningprojekten zu unterstützen. So sollten Tuning-Teile nur von zertifizierten Herstellern stammen und Prüfzeugnisse dafür vorliegen. Auch Teile mit ABE sind entgegen der allgemeinen Meinung häufig noch eintragungspflichtig. Bei den vornehmlich jungen Tunern  ist die Akzeptanz einfach höher, wenn man die einzuhaltenden Vorschriften begründen  und Gefahren oder Konsequenzen aus unbedachten Maßnahmen aufzeigen kann. Solche Aktionen – in Friedrichshafen z.B. mit der Polizei aus Baden Württemberg – fördern nicht zuletzt die Verkehrssicherheit.

Den Deutschen bereitet das Autofahren unverändert Spaß! Stolze 91 Prozent der Fahrzeughalter gaben bei einer repräsentativen Befragung an, dass sie sich ohne Auto in ihrer Mobilität erheblich eingeschränkt fühlen würden. Gebrauchtwagen sind weiterhin ein wichtiger Markt für die Tuningindustrie – die Fahrzeughersteller mischen allerdings zwischenzeitlich kräftig mit. Tuner haben mit knapp 53 Prozent Anteil gegenüber OEM-Tuning aber immer noch die Nase vorn!

So baut der fränkische Kfz-Meisterbetrieb Aulitzky Tuning in einen 5er Touring ein BMW M5 TwinTurbo-Triebwerk ein. Neben der Implementierung von  Antriebstrang, Hochleistungs-Bremsanlage und Gewindefahrwerk wurde auch die Elektronik von 33 Steuergeräten angepasst. Die KW automotive GmbH präsentierte auf der Tuning World Bodensee erstmals ein Gewindefahrwerk für den neuen BMW M5 – die erste Sportwagenlimousine von BMW M, die über einen Allradantrieb verfügt. Mit dreifach einstellbaren High-Performance-Dämpfern nutzt es dieselbe Fahrwerktechnik, wie sie von KW für den BMW M4 GTS direkt ans Werk geliefert wird.

Qualität bleibt das wichtigste Kaufkriterium. Fahrwerke und Alu-Sonderräder behaupteten 2017 die Spitzenplätze der Beliebtheitsskala – gefolgt von Sportauspuff, Motoroptimierung, Karosserieteile, Beleuchtungsoptimierung und Interieur. Den Rückgang des „Sommer-Anteils“ bei Alu-Sonderrädern begegneten die Hersteller mit zusätzlichen stylischen Designs. Die Mischung macht´s für die Teileanbieter – der eigene Onlineshop und die Zusammenarbeit mit dem stationären Handel sind dabei unverzichtbar. Als Informationsquelle haben die neuen Medien allerdings den Handel abgelöst, während Messen als Infoquelle stabil im Ranking sind.

Der deutsche Tuning- und Zubehörmarkt präsentierte sich 2017 mit 630 Millionen Euro Gesamtumsatz durchwegs robust. Etwa 65 Prozent der VDAT-Mitglieder steigerten in den vergangenen drei Jahren die Umsätze um bis zu fünf Prozent, rund 42 Prozent erhöhten die Umsätze sogar noch stärker und nur 17 Prozent berichten über entsprechende Umsatzrückgänge. VDAT-Mitglieder erwirtschaften etwa 60 Prozent Umsatzanteil innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten Diese sollten aber nicht nur „Amerika first“ oder die Abschottung chinesischer Märkte kritisieren, sondern endlich gegen nachgelagerte Handelsbarrieren im EU-Binnenmarkt vorgehen.

Die EU-Verordnung gegen ungerechtfertigtes „Geo-Blocking“ geht am eigentlichen Problem vorbei. Es sollte nicht sein, dass ein deutscher Kunde in zwar Frankreich ein Tuning-Teil erwerben, daheim aber nur besitzen und nicht verwenden darf. Durch den Abbau von nachgelagerten Handelshemmnissen innerhalb der EU könnte nach Schätzung des VDAT ein zusätzliches Aftermarket-Umsatzpotential von mehr als 100 Millionen Euro entstehen!

Nicht zuletzt entscheidet die wirtschaftliche Verfassung der Weltmärkte auch in der Tuning-Branche über Erfolg oder Misserfolg eines Geschäftsjahres. Die VDAT-Mitglieder sind jedoch überwiegend optimistisch, was die Umsatzprognosen in den Export-Kernmärkten außerhalb der EU angeht. Rund 70 Prozent erwarten für 2018 eine Umsatzentwicklung auf gleichem oder höherem Niveau. Skepsis besteht nur in Bezug auf den russischen Markt – dort erwarten 36 Prozent eine Verschlechterung. (Text und Fotos: Karl Seiler)

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