CNG: Seat gibt Gas für zukunftsweisenden Antrieb

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Von Klaus H. Frank

Seat macht sich auf, einer zukunftsweisenden Antriebstechnologie den Weg zu bereiten. Gemeint ist CNG („Compressed Natural Gas“), also komprimiertes Erdgas. Bereits drei Serienmodelle (Mii, Ibiza und Leon) fahren mit CNG – der Arona steht bereits in den Startlöchern, kommt im Herbst. Innerhalb des Volkswagen Konzerns hat sich SEAT bereits als führende Marke für die Weiterentwicklung der CNG-Strategie in Position gebracht. So kündigte der Vorstandsvorsitzende Luca de Meo an, dass das Technologiezentrum von SEAT, in dem über 1000 Ingenieure tätig sind, für den Volkswagen Konzern die CNG-Technologie noch weiter vorantreiben wird. Vom technischen und wirtschaftlichen Vorteil von CNG als alternativem Kraftstoff ist Luca de Meo überzeugt: „CNG ist nicht nur eine Brückentechnologie, sondern langfristig eine echte Alternative, da die weltweiten Gasvorkommen den Bedarf für mindestens die nächsten 100 Jahre abdecken.“ Grund genug, für die spanische Volkswagen-Tochter, Vorurteile gegen CNG ein für alle Mal aus dem Weg zu räumen.

Der deutsche Otto Normal-Autofahrer ist sparsam. Er beobachtet die Spritpreise (real und online) während des  ganzen Tags hinweg und „schlägt zu“, wenn er meint: Jetzt passt’s. Dass es jedoch einen viel klügeren und effizienteren Weg gibt, hohen Spritpreisen ein Schnippchen zu schlagen und damit auch noch die Umwelt zu entlasten, das haben erstaunlicherweise bisher nur wenig Kraftfahrer entdeckt. Das Zauberwort heißt CNG, zu Deutsch: Compressed Natural Gas. Und dieses Zauberwort macht es möglich, die Ausgaben für Sprit genau wie den Ausstoß von CO2, NOX und Ruß drastisch zu reduzieren. Warum also kaufen nach wie vor relativ wenig Autofahrer ein Fahrzeug, das mit CNG betrieben wird?

Zwei Gründe dürften es sein – beide sind leicht zu entkräften: Vermutlich steckt in vielen Menschen nach wie vor etwas Angst, ein Gas-Auto sei nicht sicher. Das ist natürlich Unsinn! Die in den Seat-CNG-Modellen eingebauten Gastanks werden nach den höchsten Branchenstandards konstruiert, produziert und zertifiziert. Außerdem sind sie mit einem Sicherheitsventil ausgestattet, das im höchst unwahrscheinlichen Fall eines technischen Problems dafür sorgt, dass das Gas auf kontrollierte Weise an die Außenluft abgelassen wird. Dort verflüchtigt es sich nach oben und sammelt sich nicht am Boden. CNG-Modelle sind deshalb auch in Tiefgaragen absolut sicher. Alle Bauteile des Gastanks sind dazu ausgelegt, extremen Bedingungen standzuhalten. So herrscht im Tank maximal ein Druck von etwa 200 bar, zugelassen ist er bis zu 600 bar – also für die dreifache Belastung. Auch eisige Wintertemperaturen sind kein Problem und ein purer Mythos: Es müssten minus 160 Grad herrschen, damit sich CNG im Tank verflüssigt.

Das Thema Sicherheit eines CNG-Fahrzeugs ist deshalb komplett zu vernachlässigen. Woran kann der mangelnde Zuspruch aber dann noch liegen? In vielen Autofahrer steckt die Sorge, dass es noch zu wenige CNG-Tankstellen gibt, sie also mit ihrem Auto irgendwo „ in der Pampa“ liegenbleiben könnten. Ein Punkt, der sicherlich kritisch zu betrachten, aber nicht wirklich problematisch ist. CNG-Fahrzeuge fahren nämlich mit „bivalenten“ Triebwerken, die sowohl mit Gas als auch mit Benzin störungsfrei laufen. Deshalb besitzen CNG-Modelle nicht nur einen Gastank (13 Kilo Fassungsvermögen) sondern auch einen Benzintank mit 40 Litern Volumen – quasi als Reserve, wenn sich CNG nach etwa 400 Kilometern dem Ende zuneigen sollte. Mit beiden Tanks schaffen die Seat-CNG-Modelle eine Reichweite, von denen viele Autofahrer nur träumen können. Je nach Fahrweise sollen laut Seat bis 1300 Kilometer drin sein – das ist eine Strecke von Frankfurt bis nach Barcelona. Das Thema Reichweite ist damit also ebenfalls kein Thema.

Zur Anzahl der CNG-Tankstellen gibt es gute Nachrichten: Momentan werden im Bundesgebiet rund 900 Erdgas-Tankstellen betrieben. Die reichen zwar aus – doppelt so viele wären aber besser. Seat hat sich gemeinsam mit dem VW-Konzern das Ziel gesetzt, mit Partnern aus den Bereichen Erzeugung, Versorgung und Tankstellenbetrieb bis zum Jahr 2025 das deutsche CNG-Tankstellennetz auf rund 2.000 Stationen auszubauen. Das klingt gut.

Nun aber zu den beiden wichtigsten Punkten: Umwelt und Kosten. CNG-betriebene Motoren emittieren im Vergleich zu anderen Verbrennungsmotoren bis zu 25 Prozent weniger CO2, bis zu 95 Prozent weniger Stickoxide, weniger Feinstaub und 50 Prozent weniger Rußpartikel als ein Diesel oder 99 Prozent weniger als ein Benziner. CNG-Fahrzeuge erreichen problemlos die Abgasnorm Euro 6 und liegen im Preis etwa auf der Höhe vergleichbare Dieselfahrzeuge. Ein Blick auf die Betriebskosten zeigt, dass die steuerlich begünstigten CNG-Fahrzeuge im Praxisbetrieb etwa 30 Prozent günstiger unterwegs sind als ein Diesel und rund 55 Prozent günstiger als ein Benziner. Das liegt vor allem daran, dass CNG aufgrund seines höheren Energiegehalts effizienter verbrennt als herkömmlicher Kraftstoff. Besonders drastisch wirkt sich der Preisunterschied direkt an der Zapfsäule aus. Wird das neueste CNG-Modell Seat Ibiza vollgetankt, so sind nur etwa 13 Euro auf den Tisch des Tankstellenpächters zu legen – ein unschlagbares Argument für CNG.

Was die Leistung und Fahrdynamik betrifft, stehen die bivalenten CNG-Modelle von Seat ihren rein benzinbetriebenen Modellgeschwistern in nichts nach. Nur an den Instrumenten ist zu erkennen, wenn sich das Fahrzeug im CNG-Modus befindet. Kraftstoffanzeigen sind für beide Tanks vorhanden. Ist der CNG-Tank aufgebraucht, schaltet das Auto automatisch auf Benzin als Alternativ-Kraftstoff um – ohne dass es der Fahrer merkt.

Jüngstes Mitglied in er CNG-Familie von Seat ist der Ibiza 1.0 TGI. Auf Trab behalten wird der Fronttriebler (Handschaltung) von einem 1.0-TSI-Dreizylinder mit 90 PS und dem maximalen Drehmoment von 160 Nm zwischen 1.900 und 3.500 U/min. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 181 km/h, für den Sprint auf 100 braucht er 11,8 Sekunden. Der Unterschied zum reinen Benziner ist der 13 Kilogramm fassende CNG-Tank und der Gaseinfüllstutzen, der unmittelbar neben dem Benzineinfüllstutzen liegt, ein sensorgesteuerter Druckregler sowie das Gasverteilungssystem. Tanken ist unproblematisch und dauert etwas drei Minuten. Der Ibiza TGI startet grundsätzlich mit CNG, außer die Temperatur des Frostschutzmittels liegt unter zehn Grad Celsius. Dann wird der Motor mit Benzin gestartet und wärmt die Gaseinspritzventile auf, bevor der Erdgaskreislauf automatisch aktiviert wird. Ansonsten greift der Seat Ibiza TGI nur dann auf Benzin zurück, wenn der CNG-Tank leer ist. Die Umstellung erfolgt automatisch, ohne dass für den Fahrer ein Unterschied zu spüren wäre. Obwohl der CNG-Tank unter dem Kofferraum verbaut ist, verfügt der neue Seat Ibiza 1.0 TGI mit einem Kofferraumvolumen von 262 Litern (normal 355 Liter) über ausreichend Stauraum.

Die serienmäßige Ausstattung ist genau wie bei den Benzinern sehr gut. Beispiel Modell Style: Hier gibbt’s Leichtmetallräder, Außenspiegel und Türgriffe in Wagenfarbe, Chromapplikationen im Interieur, Dreispeichen-Lederlenkrad, Klimaanlage, LED-Tagfahrlicht und LED-Heckleuchten, Audiosystem mit 6,5-Zoll-Farbbildschirm, SD-Karten-Slot, USB- und AUX-in-Schnittstelle, Bluetooth-Schnittstelle mit integrierter Freisprechanlage und sechs Lautsprechern. Diverse Assistenzsysteme oder auch Details wie Parksensoren, Rückfahrkamera oder LED-Scheinwerfer kosten Aufpreis. Die Preise für das Basismodell Reference starten bei 17 555 Euro. Die Variante Style liegt bei 19 005 Euro, die Top-Modelle Excellence und FR kosten 20 520 Euro. (autour24/khf)

Technische Daten Seat Ibiza TGI: Fünftüriger Kleinwagen. Länge/Breite/Höhe in Metern: 4,06/1,78/1,44, Leergewicht: 1.239 kg, Zuladung: 476 kg, Tankinhalt: 40 l (Benzin) und 13 kg (Gas), Kofferraumvolumen: 262 – 1.072 l. Antrieb: 3-Zylinder-Benziner/CNG bivalent, Hubraum 999 Kubikzentimeter, Leistung: 66 kW/90 PS bei 4.500 bis 5.800 U/min, max. Drehmoment: 160 Nm bei 1.900 – 3.500 U/min, 0-100 km/h: 11,8 s, Höchstgeschwindigkeit: 181 km/h, 5-Gang-Schaltgetriebe, Vorderradantrieb, Durchschnittsverbrauch: 5,0 l Super/100 km bzw. 3,3 kg CNG/100 kg, CO2-Ausstoß: 114 g/km (Benzinbetrieb) oder 88 g/km (Gasbetrieb), CO2 Effizienzklasse (Benzin/Gas) B/A+, Preis: ab 17 555 Euro.

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