Bruder EXP-6: Der martialische von Down Under

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In einem Land wie Australien, in dem Lkw-Zugmaschinen bis zu drei, vier Anhänger mit insgesamt mehr als 100 Tonnen Last als Road Train hinter sich her ziehen dürfen, hat man naturgemäß ein etwas entspannteres Verhältnis zu Gespannen als in Europa. Da dürfen dann auch Caravans mal etwas anders ausfallen als hierzulande. Größer, robuster, martialischer – aber nicht mit weniger Luxus und Komfort. Also so wie ein Bruder EXP-6.

Der Bruder ist ein Wohnwagen, wie ihn sich Mad Max so oder zumindest so ähnlich wünschen würde, wenn er denn Camper wäre: ein Hardcore-Caravan, kantig, robust, stabil, wie aus einem Block gehauen, wasserdicht und konsequent auf Offroad-Touren ausgelegt. Denn für den Trip ins australische Outback muss der Caravan einiges aushalten: wüste Pisten, unwegsames Gelände und Wasserdurchfahrten. Auf dem „roten Kontinent“ braucht man eine rollende Behausung, die einiges abkann und auf die man sich auch verlassen kann, wenn man Hunderte von Kilometern von der nächsten Ansiedlung entfernt ist.

Der Bruder EXP-6 hat eine Außenbreite von 192 Zentimeter. Damit ist er ungefähr ebenso breit wie ein großer Geländewagen, der als Zugfahrzeug für das 670 Zentimeter lange australische Wohnwagen-Trumm zum Einsatz kommen sollte. Damit fährt der Offroad-Caravan in der Spur des Zugfahrzeugs. Gerade beim Einsatz im Gelände ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil, da dem Caravan nicht kraftzehrend erst mal eine eigene Spur gebahnt werden muss. Und für einen Einsatz abseits aller Straßen bringt der Bruder EXP-6 alle notwendigen Voraussetzungen mit. Autark im Outback sind die Australier auch dank deutscher Wertarbeit. Denn beim Bau des Campers aus „down under“ sind auch deutsche Werkstoffe mit im Spiel, allerdings im Design der Australier verarbeitet.

Gewappnet ist die Besatzung des Bruder für alle denkbaren Temperaturverhältnisse, gleich ob im australischen Outback oder in der Eiswüste. Der Hersteller verspricht, dass sein Caravan, dank guter Isolation des Aufbaus, für den Einsatz in Temperaturbereichen zwischen minus 20 und plus 50 Grad geeignet sei.

Der Wohnaufbau des Bruder ruht auf einem robusten zweiachsigen Leiterrahmen. Die zweite Achse des Caravans kann, etwa während der Fahrt in der Stadt, eingefahren werden. Damit „radiert“ der Anhänger weniger bei Kurvenfahrt. Das Chassis verfügt über vier einzeln aufgehängte Räder, Rundrohr-Längslenker und eine speziell entwickelte Luftfederung. Die ist auch während der Fahrt per Klick auf dem Smartphone oder Tablet ansteuerbar und erlaubt einen Federweg von sagenhaften 31 Zentimetern. Durch das Plus an Bodenfreiheit bewältigt der Outdoor-Caravan nicht nur Offroad-Strecken, sondern auch tiefere Wasserdurchfahrten. Der Innenraum des Bruder lässt sich mit Druck beaufschlagen, so ist der Caravan auch wasserdicht. Ein Luftansaugsystem filtert Staub und Sand und sorgt so dafür, dass die außen liegenden Staufächer sauber bleiben.

Zwei Ersatzräder oder ein Ersatzrad plus Sandbleche finden seitlich am Deichselkasten Platz – beruhigend, falls es mal einen Plattfuß gibt. Unterhalb der Deichsel angebrachte Stoffbahnen schützen den Anhänger vor Steinen, die der Zugwagen aufwirbeln könnte. Falls der Bruder mal steckenbleibt und aus dem Schlamassel gezogen werden muss, hilft eine im Chassis verbaute Warn-Seilwinde bei der Bergung.

In Fahrt ist der Bruder EXP-6 gerade mal 2,12 Meter hoch. Im Stand sorgt ein Aufstelldach für die erforderliche Stehhöhe. Den Zugang zum Wohnbereich gibt eine mittig im Heck angeordnete Tür frei. Sie liegt unter einer großen, über die gesamte Fahrzeugbreite reichende Heckklappe. Diese hält den Einstiegsbereich regenfrei und lässt sich per Knopfdruck öffnen. Links der Eingangstür kann eine (optionale) Waschmaschine untergebracht werden.

Im Wohnraum, der per Dach-Klimaanlage wohl temperiert wird, gibt es Platz und Schlafmöglichkeiten für bis zu sechs Personen. Die „Eigner-Kabine“, oder anders gesagt ein Doppelbett, befindet sich im Bug. Gegenüber der in Fahrtrichtung links befindlichen Küchenzeile ist eine mit HD-Flatscreen ausgestattete Essecke für zwei Personen angeordnet. Die weiteren Mitreisenden können sich in bis zu vier Hochbetten zur Ruhe legen.

Eine Besonderheit des Bruder ist seine (Outdoor-)Küche, die sich sowohl von innen wie auch von außen nutzen lässt. Im Stand kann die Außenwand hoch- und ein Tisch heruntergeklappt werden. Ein Küchenmodul mit Kühlschrank (zudem befindet sich ein zweiter im Wohnraum) und Staufächern lässt sich herausziehen, das ganze bildet dann eine U-förmige Outdoor-Küche. Alles fertig, für das (nicht nur) in Australien so geschätzte Outdoor-BBQ.

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Der EXP-6 verfügt zudem über eine 600 Watt-Solaranlage und Lithium-Batterien mit einer Speicherkapazität von 380 Amperestunden. Der Frischwasservorrat von 200 Litern lässt sich über ein fernbedienbares Pumpsystem aus Seen oder Flüssen auffüllen. Wer auch jenseits eines funktionierenden Handy-Netzes mit seinen Liebsten sprechen möchte, kann – gegen Aufpreis – per Satellit mit Verwandten und Freunden kommunizieren. Eine mit Diesel betriebene Heizung von Webasto sorgt für Wärme und warmes Wasser. Das kann nicht nur an der Küche entnommen werden, sondern dient per Außendusche oder innen im Sanitärabteil auch der Körperpflege.

Natürlich lässt sich der Bruder EXP-6 ganz nach Kundenwunsch individualisieren. Der Hersteller liefert in die USA, Kanada, Europa, die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland und andere Länder. Bruder verspricht eine Anpassung der Technik an die jeweiligen Landesvorschriften. Eine spezielle Version für Europa ist noch für dieses Jahr geplant. Ab umgerechnet rund 75 500 Euro ist der australische Offroad-Wohnwagen zu haben. Die Kosten für die Überführung kommen noch hinzu. (ampnet/gp)

Technische Daten: Bruder EXP-6: Länge x Breite x Höhe (in m): 6,70 x 1,92 x 2,12. Aufbaulänge rund fünf Meter. Frischwasservorrat: 200 Liter. Webasto Dieselheizung mit WW-Boiler. Leergewicht: 680 kg, 600 W Solar, 380 Ah Lithium-Akkus. Preis: ca. 75 500 Euro

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