Q2 – das Kälbchen in Audis Q-Herde

 

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Von Klaus H. Frank

Es ist ein typischer Audi – aber er ist anders, der Kompakt-SUV Q2. Fast scheint es so, als ob Audi mit ihm aus der Designfalle ausbrechen wollte, in die so mancher Zeitgenosse die Ingolstädter gern mal hineinredet. Von der Optik her unterscheidet sich der Q2 ja wirklich gravierend von seinen größeren Brüdern in der Ingolstädter Q-Herde. Der kompakte Q2 wirkt eckiger und kantiger, strahlt schon im Stehen enorme Kraft aus. Seine Front mit dem neuen Singleframe-Grill im Oktogon-Design wirkt bullig. Und vollkommen außergewöhnlich ist der Q2 in der Seitenansicht. Um die Radhäuser a la Ur-Quattro zu betonen, haben die Designer im Bereich der Türen die Flanke negativ eingezogen, was fast so aussieht, als hätte dort jemand ein Stück herausgeschnitzt. Das macht sich aber verdammt gut und verleiht dem jugendlichen Q2 ein Designmerkmal, das sonst keiner hat.

Der Audi Q2 ist ein kompakter SUV, der in seinen Dimensionen durchaus als Stadtfahrzeug durchgeht. Er besitzt in etwa die Maße eines VW Golf oder des zweitürigen Audi A3, erstreckt sich auf eine Länge von 4,19 Meter, ist 1,79 Meter breit und 1,51 Meter hoch – höher also als die Vergleichskandidaten. Prägnant sind die kurzen Überhänge, der Radstand liegt bei 2,60 Metern. Auffallend und todschick sind die breiten, farblich abgesetzten C-Säulen (Blade genannt), die allerdings den Nachteil haben, dass sie die Sicht nach schräg hinten etwas einengen. Auch die elegante, schräg abfallende Dachlinie mit Spoiler besitzt ein Manko: Die hinten sitzenden Passagiere sollten nicht mehr als 1,85 Meter groß sein, sonst kollidieren Frisur und Dachhimmel. Ansonsten ist der Audi Q2 erstaunlich geräumig, sogar für die kleine Familie reicht das Raumangebot. Wer’s größer braucht, muss nicht lang suchen, denn es gibt ja noch andere in der mehrköpfigen SUV-Familie von Audi – den Q3 etwa. Der ist schon 20 Zentimeter länger.

Allseits geschätzt, nicht nur von älteren Herrschaften, ist die hohe Sitzposition, die eine hervorragende Sicht auf das erlaubt, was rundherum um das Auto geschieht. Das Kofferraumvolumen ist in Ordnung und liegt auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern zwischen 405 bis 1.050 Litern. Die Heckklappe öffnet und schließt auf Knopfdruck elektrisch.

Beim Innenraumdesign hat sich Audi einiges einfallen lassen. Die Spielereien mit Licht begeistern. Am Armaturenbrett schimmert uns ein blau illuminierter Streifen entgegen, ebenso in der Mittelkonsole. Indirektes Licht auch in den Türen und sogar im Fußraum. Ausstattungsmerkmale der Version „design“ treffen unseren Geschmack auf den Punkt: Leder mit schicken Nähten, stylische Luftausströmer und dann natürlich das virtuelle Cockpit, das die Karten des Navigationssystem riesengroß und dank Google Maps vollkommen real  vor uns ausbreitet. Klasse auch das Head-up-Display, das seine Infos in eine kleine Scheibe auf dem Armaturenbrett darstellt. Das genügt. Es muss nicht unbedingt der Riesenaufwand betrieben werden, um die Informationen in die Windschutzscheibe einzuspiegeln. Eulen nach Athen tragen hieße es, wenn man über die Verarbeitung, Wertigkeit und Qualität des Q2 sprechen wollte. Das ist die Kernkompetenz der Ingolstädter – einfach perfekt.

Der bekannten Motorisierung unseres Testwagens mit dem 1,4 Liter TFSI mit Zylinderabschaltung können wir nur Positives abgewinnen. Die 150 munteren Pferdchen halten den knapp 1,4 Tonnen schweren Q2 gut auf Trab, und das maximale Drehmoment von 250 Nm zwischen 1500 und 3500 Touren gibt dem direkteinspritzenden Turbo-Motor schon von unten raus so viel Kraft, dass der Wunsch nach einem Selbstzünder eigentlich nie aufkommt – nicht nur aus den derzeit viel diskutierten Gründen. So motorisiert schafft der Q2 den Sprint auf 100 in 8,5 Sekunden und erreicht eine Spitze von 212 km/h. Als Verbrauch registrieren wir im Testbetrieb 6,1 Liter – ein sehr guter Wert, der auch daraus resultiert, dass der kleine SUV zwei seiner Zylinder komplett abschaltet, wenn deren Leistung nicht gefragt ist. Das reduziert den Spritverbrauch. Nicht verschweigen wollen wir jedoch, dass der Q2 bei schnellen Autobahnfahrten sehr trinkfreudig ist. Da genehmigt er sich etwas mehr als zehn Liter.

Die Fahreigenschaften sind auch ohne Quattro-Antrieb frei von jeglicher Kritik, nicht nur weil zur Not ja im Hintergrund das ESP wacht und eingreift, falls mit dem Fahrer mal das Temperament durchgehen sollte und er zu optimistisch eine gefährliche Kurve ansteuert. Die Komforteigenschaften sind perfekt, nicht zu hart und nicht zu weich – Audi hat da das richtige Händchen dafür. Die Progressiv-Lenkung ist präzise, die Bremsen sind zupackend. Er macht Spaß, der Q2.

Was wäre ein Auto heutzutage ohne die ganze Armada von Assistenten, die dem Fahrer das  Leben an Bord erleichtern – leider aber meist ordentlich Geld kosten. Zwar ist auch einiger Schickschnack dabei, aber vor allem die Assistenten, die der Sicherheit dienen, sind fast schon unabdingbar. Zum Beispiel das Paket mit Stau-, Notbremsassistent und Side-Assist (530 Euro). Oder Abstandsradar, Fußgänger- und Verkehrszeichenerkennung. Preislich heftig zu Buche schlägt das Paket Technologie selection mit 3250 Euro. Es beinhaltet unter anderem das MMI Navigation Plus mit MMI touch oder auch das virtuelle Cockpit plus mit dem volldigitalen hochauflösendem 12,3-Zoll-Kombiinstrument. Weiter eingeschlossen sind dort alle Gadgets, die für die Generation iPhone ein „Muss“ sind: Apple Carplay und Co. bauen also stets eine Verbindung zum Handy auf. Auch ein WLAN-Hotspot ist an Bord. Geradezu lächerlich ist es, dass sich Audi den Wagenheber extra bezahlen lässt. Der kostet zwar nur läppische 25 Euro – aber muss das sein.

Die Aufpreisliste ist lang und wer sich dann nicht zu beherrschen weiß, der muss ordentlich Geld hinlegen, wie etwa für unseren Testwagen Audi Q2 design 1,4 TSFI mit 150 PS und S-tronic. Der nämlich kostet genau 49 374,97 Euro. Da wird so mancher erst dreimal schlucken. Allerdings geht’s auch wesentlich preisgünstiger, wenn sich der geschätzte Kunde mit dem Basismodell bescheidet. Das kostet mit einem Einliter-Benziner (116 PS) gerade mal 23 400 Euro. So erreicht Audi sicherlich dann eher die angestrebte Klientel: Singles und junge Paare, vor allem aber auch Best Ager, die sich die hohen Preise für einen gut ausgesatteten Q2 wohl eher leisten können. Mein persönlicher Tipp: Ich würde den Audi Q2 nur in dem supergeilen Vegasgelb kaufen. Der absolute Hingucker – obercool. (autour24)

 

 

 

 

 

 

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