Honda Civic – eine Fahrt gegen den optischen Mainstream

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Von Klaus H. Frank

Hauptsache auffallen. Dieser Devise scheinen die Designer des Honda Civic erneut gefolgt zu sein, als es galt, ihren Bestseller neu einzukleiden. Nicht mehr futuristisch und spacig schaut er nun aus, sondern eher ein bisschen martialisch, fast wie ein moderner Samurai. Auf gar keinen Fall frönt er dem Mainstream, sondern gibt sich in erster Linie sportlich, wie schon immer in den letzten Jahren, – und das steht ihm gut, macht ihn zu einem „must-have“ vor allem für jugendliche Fans der japanischen Marke.

Honda wollte mit seiner kompakten fünftürigen Schräghecklimousine in zehnter Generation den sportlichsten Civic aller Zeiten schaffen. Was die Optik angeht, so ist dies sicherlich gelungen. Satt steht er auf der Straße, kurze Überhänge demonstrieren Dynamik, der typische Grill und die schmalen Scheinwerfer betonen die Breite. Beim sportlichen Frontdesign schummelt Honda allerdings eins bisschen, wenn von markanten Lufteinlässen die Rede ist. Dort vorn sind nämlich gar keine vorhanden, denn hinter den schwarzen Wabengittern aus Kunststoff findet sich nichts anderes als Blech. Was soll’s. Spannend ist die Heckgestaltung mit einem Spoiler, der durch den unteren Teil der Heckscheibe verläuft, was jedoch die Sicht nach hinten nur unwesentlich einschränkt.

Der Civic ist im Vergleich zum Vorgänger deutlich gewachsen, den Maßen eines Kompaktfahrzeugs nahezu entwachsen. In der Länge hat er um zehn Zentimeter auf 4,52 Meter zugelegt. Zum Vergleich: Der Volkswagen Golf, der Inbegriff eines Kompakten, misst nur 4,26 Meter – das sind 26 Zentimeter weniger. Die Breite wuchs um drei Zentimeter, der Radstand streckt sich nun auf 2,70 Meter – 9,5 Zentimeter mehr als vorher. Die Höhe haben die Honda-Designer um zwei Zentimeter abgesenkt und durch tiefer eingebaute Sitze den Schwerpunkt um 3,4 Zentimeter tiefergelegt. Das macht sich richtig gut für Freunde der sportlichen Fahrweise. Der Kofferraum schluckt 478 Liter und lässt sich bis auf 1287 Liter erweitern. Schade, dass die sogenannten „Magic Seats“ im Fond dem Rotstift zum Opfer fielen. Mit ihnen konnte die Rücksitzfläche hochgeklappt werden, so dass selbst Sperriges wie etwa hochgewachsenen Pflanzen, problemlos transportiert werden konnten.

Dank der gewachsenen Außenmaße ist nun im Innenraum ordentlich Platz. Auch deshalb, weil der Tank nicht mehr unter den Vordersitzen, sondern hinten eingebaut ist. Die Sitze sind bequem und bieten genügend Seitenhalt. Das sehr gut verarbeitete Interieur besitzt einen hochwertigen Touch, das Cockpit ist aufgeräumt und fast alles (Klima, Navi, Infotainment, Rückfahrkamera), wird über ein Sieben-Zoll-Touchscreen gesteuert. Der Civic ist serienmäßig mit dem Sicherheits- und Assistenzpaket „Sensing“ ausgestattet, das Kollisionswarner und Bremsassistent, Spurhalte- und Lenkkorrektur, adaptive Tempo-Regelung und Verkehrszeichen-Erkennung umfasst. Optional sind ein Toter-Winkel- und Auspark-Assistent. Praktisch, aber nicht unumstritten wegen der Diebstahlsgefahr, ist das schlüssellose Zugangssystem. Klasse finden wir das induktive Ladesystem für Smartphones (außer iPhones).

Bei den Fahreigenschaften ist der Civic in seinem Metier, kehrt seine Sportlichkeit heraus. Das Fahrwerk ist straff, ohne unkomfortabel zu sein, die Progressiv-Lenkung ist ungeheurer direkt, so dass der Fahrer selbst in engen Serpentinen nicht umgreifen muss. Kurven nimmt der Fronttriebler auch bei zügigem Fahren problemlos gutmütig, die leichte Untersteuerneigung beeinträchtigt die Sicherheit nicht, die Bremsen haben zupackenden Charakter. Grundsätzlich sind wir von CVT-Getrieben wenig begeistert. Erstaunlicherweise hat es Honda jedoch hinbekommen, dass dieser lästige Gummibandeffekt dieses stufenlosen Getriebes kaum mehr in Erscheinung tritt. Das Getriebe simuliert sieben Schaltstufen und fühlt sich praktisch wie ein Doppelkupplungsgetriebe oder ein Wandlergetriebe an.

Der japanische Hersteller Honda, der seine Kernkompetenz im Motorenbau besitzt und einige der legendärsten Hochleistungstriebwerke entwickelt hat, überrascht im Civic mit einem Dreizylinder – das ist komplett neu für Europa. Der 129-PS-Turbobenziner besitzt nur 988 Kubik Hubraum, hält jedoch bereits ab 1500 Touren sein maximales Drehmoment von 200 Nm bereit. Sicherlich hat er eine kleine Anfahrschwäche, dreht dann aber munter bis zur Drehzahlgrenze (5500 U/min.) hoch, schafft den Sprint auf 100 in 10,4 Sekunden und erreicht eine Spitze von 203 km/h. Sehr gut hat uns der knurrig, aggressive Sound gefallen, der den Eindruck erweckt, als würde da ein deutlich stärkeres Triebwerk unter der Haube stecken. Besonders erfreulich: Das kleine Triebwerk ist zwar außerordentlich drehfreudig, aber ganz und gar nicht trinkfreudig. Laut Honda beträgt der Normverbrauch 4,8 Liter, im Test waren es dann – Dank unseres Spaßes an der sportlichen Fahrweise – 6,5 Liter.

Honda startet beim Civic Fünftürer in Basis-Ausführung mit dem selbstbewussten Preis von 19 990 Euro. Das erscheint auf den ersten Blick ziemlich hoch (Golf 17 850 Euro) relativiert sich jedoch, wenn der geneigte Interessant einen Blick auf die Liste der Sonderausstattung wirft. Die nämlich ist für den Civic in der Top-Version klitzeklein, beschränkt sich auf das CVT-Automatikgetriebe (mit Stau-Assistent) für 1300 Euro, die abnehmbare Anhängerkupplung (740 Euro) zwei Exterieur-Design-Pakete zwischen 1090 und 1290 Euro, diversen Leichtmetallfelgen (1390 Euro) und der Perl-Effekt-Lackierung für 520 Euro – und das war’s dann schon. Wir sagen „Daumen hoch“ für den Honda Civic – eine echte Bereicherung in der Kompakt-Klasse. (autour24)

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