Audi Q7 – vom Schwergewichtler zum Leichtathleten

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Von Klaus H. Frank

Es ist schon ein Riesenteil, der Audi Q7 mit seiner Länge von 5,05 Metern und der Breite von 1,97 Meter. Da das automobile Schwergewicht jedoch im Vergleich zu seinem Vorgänger rund 300 Kilogramm abgespeckt hat, kommt er fast schon wie ein Leichtathlet daher. Obwohl: Der Q7 bringt auch so immer noch 2070 Kilogramm auf die Waage. Resultat der Abmagerungskur: Ein deutlich niedrigerer Spritverbrauch und eine enorm gesteigerte Agilität. Und das spürt man schon in den ersten Kurven. Wo das frühere Dickschiff noch ordentlich wankte und nach außen schob, zieht der Q7 nun so präzise und neutral um die Ecken, dass man glauben könnte, in einem Kompaktwagen zu sitzen. Es ist aber nicht nur das geringere Gewicht, das ihn wendiger macht: Großen Anteil an der neuen Handlichkeit leistet die Vierradlenkung (1150 Euro), die den Wendekreis des Q7 um einen Meter reduziert. So wird dem Stadtverkehr und Rangieren in Parkhäusern etwas der Schrecken genommen. Bei niedrigen Geschwindigkeiten lenken die Hinterräder gegensinnig zu den Vorderrädern, bei schneller Fahrt folgen die Hinterräder dem Lenkeinschlag der Vorderräder und erhöhen die Fahrstabilität. Die elektromechanische Servolenkung gefällt sehr gut. Sie ist präzise, bei hohem Tempo nicht zu leichtgängig, beim Ein- und Ausparken nicht zu schwergängig.

Sehr gut beurteilen wir das Kurvenverhalten. Mit Untersteuern muss jedoch derjenige  rechnen, der allzu schnell um die Ecken will. Wer dann dabei erschrickt und das Gas lupft, braucht allerdings keine  Lastwechselreaktionen und das Ausbrechen des Hecks zu fürchten. Solch Ungemach haben die Fahrwerkstechniker dem Q7 abgewöhnt. Die Traktion ist logischerweise dank des Allradantriebs perfekt. Normal werden die Antriebsmomente 40:60 zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt. In kritischen Situationen fließen jedoch bedarfsgerecht bis zu 70 Prozent an die Vorderachse und maximal 85 Prozent an die Hinterachse. Die elektronische Differenzialsperre (EDS) bremst, falls notwendig, einzelne Räder ab, was einerseits die Traktion verbessert, andererseits das Eigenlenkverhalten in Kurven fördert.

In Sachen Komfort spielt der Q7 in der allerersten Liga mit. Verantwortlich dafür ist die Luftfederung (2050 Euro) plus adaptiver Dämpferregelung, mit dem das Fahrwerk dem Belieben nach zwischen straff und komfortabel verstellt werden kann. Im Audi Q7 fühlen sich deshalb die Fahrgäste stets kommod durch die Lande kutschiert, spüren nur marginal, ob die riesigen 20-Zöller, gerade die Tiefe der Schlaglöcher testen oder sanft auf der Autobahn abrollen.

Motorisiert war unser Testfahrzeug mit dem Dreiliter-V6-Einstiegsdiesel. Der leistet 218 PS und besitzt das satte Drehmoment von 500 Nm zwischen 1250 und 4750 Touren. Es ist ein außerordentlich kultiviertes Triebwerk, das perfekt mit dem sanften Riesen aus Ingolstadt (gebaut im slowakischen Bratislava) harmoniert und die Geräuschkulisse im Innenraum angenehm niedrig hält. Wer damit unterwegs ist, wird kaum nach mehr Leistung verlangen, denn die Beschleunigung auf 100 in 7,1 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit von 216 km/h reichen allemal und halten den Spritverbrauch angenehm niedrig. Wenngleich: Der von Audi angegebene Normverbrauch von 5,5 Litern ist die pure Illusion. Aber immerhin dürfen wir über allzu großen Durst des Fahrzeug im Test nicht klagen: 8,5 Liter sind ein ordentlicher Wert für ein solch großes Fahrzeug, das schließlich wie ein Scheunentor im Wind steht.

Wer besonders spritsparend unterwegs sein will, der sollte den Hinweisen des prädiktiven Effizienzassistenten folgen. Basierend auf den Navigationsdaten weiß er, was auf den Q7 so alles zukommt: Steigungen, Gefälle, Ortseinfahrten, Kreisverkehre etc. Anhand dieser Daten rät er frühzeitig den Fuß vom Gas zu nehmen, damit der Motor in den Segelmodus wechseln kann, in dem der Antriebsstrang komplett von Fahrwerk abgekoppelt wird. Die Schaltung übrigens, eine Acht-Stufen-Wandler-Automatik, ist perfekt und wechselt die Gänge sanft und unmerklich.

D

er Audi Q7, der in Sachen Optik einen enormen Schritt nach vorne getan hat, ist nicht mehr pummelig wie der Vorgänger, sondern sehr modern, zeigt Kante, wie der Designer zu sagen pflegt. Dominant wirkt die Front mit dem riesigen Singleframe-Grill, flankiert von schmalen Scheinwerfern, die auf Wunsch als Matrix-LED-Leuchten geordert werden können, was allerdings 2580 Euro Aufpreis kostet. Dank seiner stattlichen Außenmaße ist natürlich auch der Innenraum groß dimensioniert. Platzangst braucht keiner zu fürchten, sowohl vorne wie hinten ist die Kopf- und Beinfreiheit riesig, auf Wunsch ist der Q7 auch siebensitzig lieferbar. Voluminös ist der Gepäckraum, der sich von 890 Liter bis auf 2075 Liter erweitern lässt.

Gerade im Innenraum zeigt sich, dass Audi in Sachen Verarbeitung und Wertigkeit der Materialien ein Niveau erreicht hat, das kaum überbietbar scheint. Ein Highlight ist das virtuelle Cockpit (600 Euro) bei dem die analogen Instrumente durch digitale Anzeigen ersetzt werden. Das virtuelle Cockpit präsentiert auf seinem hochauflösenden 12,3-Zoll-Bildschirm brillante Grafiken, und der Fahrer kann zwischen zwei Darstellungen wählen – einer klassischen Ansicht mit großen Rundinstrumenten und einem Modus, in dem die Navigationskarte oder Listen dominieren. Das ebenfalls optionale Head-up-Display (1390 Euro) projiziert die wichtigsten Informationen auf die Windschutzscheibe.

Der Audi Q7 besitzt mit seinen Assistenzsystemen eine fast unüberschaubare Palette vom Stauassistenten bis hin zum prädiktiven Effizienz-Assistenten oder vom Querverkehrsassistenten bis hin zum Anhänger-Assistenten. Nahezu alle kosten Aufpreis und pushen den Preis ordentlich nach oben. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass sich die aufpreispflichtigen Details in unserem Testwagen auf mehr als 33 000 Euro summieren und den Preis für unseren Audi Q7 ultra 3.0 quattro auf 92.089,99 Euro hochtrieben. (autour24)

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