Test Audi A4 Avant: Slogan stimmt – ein „schöner Kombi“

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Von Klaus H. Frank

Kennen Sie das noch? „Er läuft und läuft und läuft…(VW Käfer) oder „Nichts ist unmöglich (Toyota). Klassische Slogans sind dies, die Jahre und Jahrzehnte überstehen. Mein liebster Spruch: „Schöne Kombis heißen Avant“. Dieser Audi-Slogan hat scheinbar für immer Gültigkeit, auch beim Blick auf den jüngsten A4 Avant, der seit eineinhalb Jahren über unsere Straßen rollt. Das Design ist eine gelungene Symbiose von Ästhetik, Sportlichkeit und Funktionalität. Der dominante Grill und die optionalen LED-Matrix-Scheinwerfer mit markant gezacktem unteren Rand (Aufpreis 1750 Euro) machen den A4 präsenter als je zuvor.

Deutschland ist Kombiland. Die Erwartungen jedes einzelnen an ein „Auto mit Rucksack“ sind jedoch unterschiedlich. Der A4 Avant (4,73 Meter lang und 1,84 Meter breit) zum Beispiel wird in der Regel nicht mit dem Blick auf die Nutzbarkeit des Kofferraums gekauft. Nicht deshalb, weil Gartenabfälle entsorgt und Metzgereien mit Schweinehälften versorgt werden müssen. Es ist ein Lifestyle-Kombi – und der wird erworben, weil er schön ist (siehe Slogan). Freude am Laden kommt trotzdem auf: 505 Liter passen normal ins Gepäckabteil. Das ist Rekord in dieser Klasse. Maximal schluckt der Kofferraum mit der angenehm niedrigen, nur 63 Zentimeter hohen Ladekante 1510 Liter. Die Durchladebreite beträgt exakt ein Meter. Besonders praktisch ist die elektrische Laderaumabdeckung, die leise surrend das versteckt, was andere nicht zu sehen brauchen. Die Anhängelast beträgt 2100 Kilogramm. Das Öffnen und Schließen der elektrischen Hecktür per Fußtritt unter den hinteren Stoßfänger (in Kombination mit Komfortschlüssel kostet das 1050 Euro) kann natürlich auch der A4 Avant.

Ausgesprochen gut gefällt uns im A4 Avant der kultivierte Dreiliter-TDI mit 218 PS. Audi verschließt sich hier dem Trend zum Downsizen und erlaubt dem Selbstzünder den Luxus, die Kraft (400 Nm zwischen 1250 und 3750 U/min) weiterhin aus sechs Töpfen zu schöpfen. Find ich Klasse. So bestückt und mit einem um rund 120 Kilo reduzierten Gewicht (im Vergleich zum Vorgänger) macht der Diesel jede Steigung zur Ebene, harmoniert ganz vorzüglich mit dem Doppelkupplungsgetriebe S-tronic mit sieben Gängen. Die Automatik schaltet nahezu unmerklich und lässt den Fahrer nur raten, welcher Gang gerade eingelegt ist. Den Sprint auf 100 erledigt der Kombi in 6,7 Sekunden, die Spitze liegt bei 245 km/h. Der Normverbrauch von 4,4 Litern ist unrealistisch, wie alle Normwerte. Mit sechs Litern muss im Alltagsverkehr gerechnet werden. Jedoch ist ein Schnitt von fünf Litern durchaus erreichbar. Dank des 54 Liter-Tanks sind so mehr als 1000 Kilometer Reichweite zu realisieren.

Bei den Fahreigenschaften des Fronttrieblers erleben wir wie erwartet keine negative Überraschungen. Das Zusammenspiel der neuen Fünf-Lenker-Achsen und der präzisen elektro-mechanischen Dynamik-Lenkung (1000 Euro) macht den A4 zu einem virtuosen Kurvenkünstler. Besonders auf der Langstrecke genossen wir das optionale Komfortfahrwerk mit Dämpferregelung (980 Euro). Mit „drive select“ findet wohl jeder für sich die perfekte Abstimmung. Besonders stolz sind Audi-Techniker auf den hervorragenden Luftwiderstandsbeiwert von 0,23 cW, der weltweit zweitbeste Wert. Eine Wohltat für die Ohren ist die Reduzierung jeglicher Wind-, Fahr- und Motor-Geräusche, womit der A4 auf dem Niveau von Luxuslimousinen liegt.

„Vorsprung durch Technik“ demonstriert der Ingolstädter Kombi mit einer ganzen Armada von Assistenzsystemen, in der Regel alle gegen Aufpreis. Besonders gut gefallen hat uns der Stauassistent, dank dessen sich der A4-Fahrer quasi „zur Ruhe setzen“ kann. Der A4 folgt so einem vorausfahrenden Fahrzeug bis 65 km/h im Stop-and-Go-Verkehr, ohne dass der Fahrer am Lenkrad kurbeln muss. Klappt ganz gut – obwohl: Natürlich müssen die Hände hin und wieder ans Lenkrad, sonst protestiert das System – und schaltet sich ab. Besonders innovativ ist der vorausschauende Effizienz-Assistent im Assistenzpaket Tour (1640 Euro), der via Head-up-Display (980 Euro) über ein symbolisiertes Gaspedal mitteilt, wann es sinnvoll ist, den Fuß vom Gas zu nehmen. Der Assistent nutzt dabei Daten des Navis und der Verkehrszeichenerkennung, um Kurven, Gefälle, Kreuzungen, Tempolimits vorauszusehen und dann – falls notwendig – das Tempo zu reduzieren. Dafür ist allerdings das Assistenzpaket MMI Navigation plus mit MMI touch notwendig, das mit der fetten Summe von 2680 Euro zu Buche schlägt. Sehr hilfreich aber teuer für die Stadt ist das Assistenzpaket Stadt mit Parken (2340 Euro). Der Assistent parkt ein und aus, warnt vor Querverkehr von hinten, vor Autos im toten Winkel etc.

Hervorragend verarbeitet und sehr hochwertig ist das Interieur mit dem Highlight „virtual Cockpit“ (500 Euro) und seiner gestochen scharfen Darstellung mit seinem hochauflösenden 12,3 Zoll großen LCD-Screen. Die Sportsitze (330 Euro) sind bequem, elektrisch verstellbar (765 Euro) und das Soundsystem von Bang & Olufsen hält die Fahrgäste stets bei Laune.

Die allerdings wird etwas getrübt, wirft man einen Blick in die Preisliste und hier besonders auf die Sonderausstattung. Unser Testwagen, der A4 Avant design 3.0 TDI kostet 46 250 Euro (nackt). Mit all der netten Sonderausstattung liegt der Preis jedoch bei 70 255 Euro. Das ist happig. (autour24)

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