Clever laden – der Skoda Superb Combi

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Von Klaus H. Frank

Die Erfolgswelle, auf der die Marke Skoda schwimmt, ist fast schon unheimlich. Monat für Monat melden die Tschechen neue Erfolge – ganz gleich für welches Auto. Und Jahr für Jahr überraschen sie mit neuen Produkten, wie etwa dem riesigen SUV Kodiaq, der nun einen kleineren Bruder, den Karoq, an die Seite gestellt bekommt. Und auch die bewährten Fahrzeuge laufen wie am Schnürchen – zum Beispiel der Superb, der bereits im fünfzehnten Jahr produziert wird. Und auch hier Erfolge ohne Ende. Letzten Monat verbuchte Skoda einen neuen Rekord: Eine Million Superb sind verkauft. Grund genug den Superb als Testfahrzeug auszuwählen.

Anschauen: Der interessierte Betrachter sollte ein paar Schritte zurücktreten, denn in der Seitenansicht macht sich der Superb am besten, strahlt perfekte Eleganz aus. Die gewaltige Länge von 4,86 Meter, der enorme Radstand von 2,84 Meter und die kurzen Überhänge schaffen beste Voraussetzungen für diese hochelegante gestreckte Silhouette, die einen Designpreis verdient hat. Das sanft abfallende Heck befördert den flotten Tschechen fast zu einem Shooting Brake, messerscharfe Kanten und Bügelfalten in der Flanke und auf der Haube zeugen von Modernität und Zeitgeist und die selbstbewusste Front mit breitem Grill und schmalen Bi-Xenonleuchten mit LED-Tagfahrlicht komplettiert die ausdrucksvollen und harmonischen Proportionen. Nicht zu vergessen das dynamische Heck mit viel Breitenbetonung, dem Wechselspiel von konkaven und konvexen Flächen und den charakteristischen LED-Rückleuchten im prägnanten C-Design. Kein Zweifel: Der Superb hat das Zeug zu einem Klassiker. Das Team unter Chefdesigner Jozef Kaban hat ein echtes Masterpiece abgeliefert. Respekt.

Einsteigen: Im Innenraum finden wir vom Design her wenig Spektakuläres. Der Blick fällt auf ein Cockpit, in dem Grautöne dominieren. Skoda muss sich hier, wie auch in anderen Bereichen immer ein bisschen zurücknehmen, um dem Konzernbruder Passat nicht vollends den Rang abzulaufen. Vieles erinnert dennoch an Volkswagen und Audi, besitzt jedoch nicht ganz die Hochwertigkeit der Geschwister. Vorbildlich aufgeräumt ist alles, klar und sachlich gegliedert. Die Verarbeitung ist perfekt. Zentraler Blickfang ist das riesengroße Display im Cockpit, über das nahezu alles gesteuert werden kann und über das jegliche Information bezogen werden kann. Knöpfe und Schalter sind fast ausgestorben – lediglich für die Klimatisierung werden sie gebraucht.

Am eindrucksvollsten jedoch sind die Platzverhältnisse für Passagiere und Gepäck. Hinten ist der Fußraum so üppig, das mühelos die Beine übereinandergeschlagen werden können. Da kann auch keine Luxuslimousine mithalten- nicht mal die S-Klasse. Und im Laderaum sind die Platzverhältnisse der schiere Wahnsinn: Zwischen 660 und 1950 Liter passen rein. Da müssen Audi, BMW und Volkswagen passen – und auch der ehemalige Lademeister Mercedes E-Klasse T-Modell. Der nämlich schluckt nur zwischen 640 bis 1820 Liter. Wer die Heckklappe per Fußkick unter den hinteren Stoßdämpfer öffnet, der blickt in eine überdimensionale Höhle, bei der sich der kritische Zeitgenosse fragt: „Wie gelange ich an das kleine Gepäckstück, das da ganz nach vorn gerutscht ist, ohne dass ich in das Gepäckabteil reinklettern muss?“

Ohne Infotainment geht im Zeitalter der Smartphones nix mehr. Die Einbindung des Smartphones, egal ob iOS- oder Android-Betriebssystem, funktioniert auch bei den Tschechen ganz hervorragend. Praktisch ist eine Tablet-PC-Halterung, die am Vordersitz oder in der Mittelkonsole der Rückbank angebracht werden kann. Das ist prima auf dem Weg in den Urlaub, denn die Kids können hinten Filme kucken oder spielen und vergessen ganz ihren Standard-Satz: „Wann sind wir endlich da?“ . Und falls der Superb als Dienstwagen mit Chauffeur läuft, kann der Chef hinten sogar ganz gut arbeiten – oder schlafen. Denn der Beifahrersitz lässt sich von hinten aus elektrisch ganz weit nach vorne fahren, so dass die Beine komplett ausgestreckt werden können.

Losfahren: Unser Testfahrzeug wird von einem Zweiliter-TDi mit 150 PS und dem kräftigen Drehmoment von 340 Newtonmetern zwischen 1750 und 3000 Touren angetrieben und lässt sich mit dem sanft schaltenden sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe sehr entspannt fahren. Eigentlich besteht nie der Wunsch nach mehr Leistung, denn die Spitzengeschwindigkeit von 213 km/h ist durchaus ausreichend und die Beschleunigung von 0 auf 100 in 9,1 Sekunden ebenfalls. Der Superb ist agil, fährt sich trotz seiner Größe wie ein Kompakter, ist spurstabil und dank des 4×4-Antriebs die sprichwörtliche automobile Gutmütigkeit. Sehr zufrieden sind wir mit dem Fahrwerk, das der Fahrer ganz auf sich „zuschneiden“ kann: normal, sportlich, komfortabel oder ökonomisch. Wir bevorzugen den sportlichen Modus, bei dem die Gasannahme spontaner ist und das DSG die Gänge schneller wechselt. Außerdem reagieren die Lenkung direkter und die Dämpfer straffer. Der mit 1625 Kilo für seine Klasse relativ leichte Superb lässt sich im Sportmodus nicht nur flink in die Kurven werfen, sondern stellt uns auch beim Spritverbrauch mehr als zufrieden. Die Norm von 4,5 Liter wird zwar nicht erreicht, jedoch ist der Testverbrauch von 6,5 Litern durchaus ein Lob wert. Bei Autobahn-Richtgeschwindigkeit 130 pendelt sich der Verbrauch genau bei sechs Litern ein, nach Drücken der Eco-Taste reduziert sich dies nochmal um knapp einen halben Liter. So sind dank des 66-Liter-Tanks rein theoretisch mehr als 1000 Kilometer Reichweite drin.

Bei den Fahrerassistenz- und Sicherheitssystemen ist Skoda voll auf der Höhe der Zeit. Sie aufzuzählen, sprengt den Rahmen. Kurz ein paar Beispiele:  Der Superb besitzt einen Stauassistenten, der den Fahrer durch automatisches Beschleunigen, Bremsen und Lenken im Stop-and-Go-Verkehr durch den Berufsverkehr lotst. Angenehm ist der Totwinkelwarner und das Bi-Xenon-Fernlicht, das vorausfahrende Fahrzeuge und Gegenverkehr quasi aus dem Lichtkegel ausschneidet. Leider kostet fast alles Aufpreis. Die elektrische Parkbremse und die Multikollisionsbremse allerdings sind Serie.

Aussteigen: Eigentlich will man ja sitzen bleiben, so wohl fühlt man sich im Skoda Superb und weiß vor allem die Skoda-typischen „Simply-clever“-Helferchen (31 sollen es sein) zu schätzen. Zum Beispiel die zwei Regenschirme in den Vordertüren, der Eiskratzer im Tankdeckel oder der kleine Mülleimer (mit kleiner Türe) in der Ablage der Fahrertür. Aber auch die stets aufgeladene Taschenlampe im Kofferraum, die mit einem Magneten überall angepappt werden kann (bei einer Panne kann dies sehr hilfreich sein).

Wer kann sich nicht begeistern für den Skoda Superb, der sein Ostblock-Billig-Image früherer Tage längst abgestreift hat. Allerdings ist damit auch der Billig-Preis passe. Denn ein Vergleich mit dem Konzernbruder zeigt, dass der preisliche Abstand zwar noch da ist – aber nicht mehr so gravierend wie ehedem. Unser Testwagen (4×4 Style 2.0 TDI) kostet 37 750 Euro. Mit den diversen Assistenten lässt sich der Preis jedoch ohne Schwierigkeiten über die 50 000-Euro-Marke hieven. (autour24)

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