Honda CR-V – der verkannte Weltmeister

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Von Klaus H. Frank

Er hält sich wacker an der Spitze seines Segments: Der Honda CR-V ist auch in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 wieder Weltmeister bei den der meistverkaufte  SUVs auf diesem Globus. 334 269 Exemplare verkauften die Japaner in den ersten sechs Monaten des Jahres  – eine ordentliche Hausnummer. Der Volkwagen Tiguan brachte es weltweit auf nur 278 000 Zulassungen. In Deutschland allerdings will der CR-V nicht so recht in Schwung kommen. In der 80 Fahrzeuge umfassenden Besten-Liste des KBA nimmt er im Monat Juli mit 353 zugelassenen Fahrzeugen nur den 46. Platz ein. Im ersten Halbjahr beläuft sich die Zulassungszahl des CR-V auf 3365 Einheiten. Zum Vergleich: Der Tiguan schaffte im Juli 4685 Einheiten, im ersten Halbjahr 41 698 Zulassungen.

Warum der Honda-SUV hierzulande auf nicht allzu große Resonanz stößt, ist eigentlich nicht nachvollziehbar, denn er kann nicht weniger als andere können – und er sieht gut aus. Mit seiner Länge von 4,61 Metern und der Breite von 1,82 Metern hinterlässt er einen imposanten Eindruck, die Höhe von 1,69 und das sanft abfallende Heck geben ihm einen coupéhaften Touch. Satt und breit steht er auf der Straße, die Front mit schmalen LED-Scheinwerfern wirkt sympathisch und das ausdrucksstarke Heck mit einer schicken Chromspange setzt Akzente, ebenso wie der Chrom-Unterfahrschutz hinten und vorne. Abgesehen von der Japan-typischen Tristesse in Sachen Innenraum-Farbe (es dominiert ein dunkles anthrazit-grau), Ist der CR-V recht nett „möbliert“. Zur Auffrischung zieht sich eine eloxierte Alu-Leiste quer über das Armaturenbrett, in dessen Zentrum das Infotainment-System „Honda Connect“ steht, ein Android-basiertes System mit Touchscreen. Es ermöglicht Zugang zum Internet und die Einbindung des Smartphones über Bluetooth, USB und Mirror-Link. Das Bedienkonzept ist etwas gewöhnungsbedürftig, die vielen Tasten am Lenkrad ziemlich unübersichtlich. Nervig, dass die Lautstärke des Radios nur über Drucktasten regelbar ist, wo doch ein Drehknopf viel einfacher wäre. Abgesehen vom Touchscreen gibt es noch einen kleinen Bildschirm darüber und außerdem ein kleines Infodisplay im Zentrum den Tachos – es ist nicht ganz einfach, herauszufinden, welcher mit welcher Taste am Lenkrad denn nun bedient werden muss.

Voll überzeugen kann der CR-V mit seinen Platzverhältnissen. Sehr angenehm ist die Sitzposition der Frontpassagiere, die auf bequemem gut dimensionierten Ledergestühl sitzen, die wie in einem Pkw angeordnet sind, also nicht zu hoch. Also kein mühsames hochklettern auf den Sitz und nerviges wieder runterrutschen wie in vielen hochbeinigen SUV, bei dem die Hosenbeine stets ungewollt die verschmutzten Einstiegsleisten sauberwischen. Und auch hinten sitzt es sich sehr gut, sogar auf dem Mittelplatz lässt es sich halbwegs vernünftig reisen. Alle drei hinteren Sitze sind mit der Isofix-Kindersitzhalterung ausgestattet und der Kofferraum ist sicherlich einer der größten im Segment. Normal schluckt er bereits 589 Liter. Klappt man die im Verhältnis 40:60 teilbare Rückbank mit einem einzigen Handgriff (genial!)nach vorne, dann stehen 1669 Liter Volumen für den Gepäckraum zur Verfügung, der sich dank der breiten Ladeluke mit einer tiefen Ladekante ohne große Probleme beladen lässt. Die hoch aufschwingende Kofferraumklappe öffnet und schließt elektrisch. Die Zuladung ist mit 420 kg jedoch zu gering.

Sehr gut gefallen hat der 1,6-Liter Diesel mit 160 PS und dem maximalen Drehmoment von 350 Nm bei 2000 Touren. So motorisiert beschleunigt der sehr kultiviert laufende Selbstzünder den CR-V  in 10 Sekunden auf Tempo 100 und schafft eine Spitze von 197 km/h. Die kleine Anfahrschwäche ist verkraftbar, denn wenn der CR-V erst mal 1800 Drehzahlen erreicht hat, dann marschiert er flott voran, wechselt kaum merklich die Gänge der „Neungang-Automatik“ und hält den 1,7-Tonner gut auf Trab. Die Gänge der Neungang-Automatik sind so weit gespreizt sind, dass der erste kurze Gang das Anfahren am Berg selbst mit Hänger zur leichten Übung macht. Der lange neunte Gang hilft beim Spritsparen. Den Normverbrauch gibt Honda mit 5,1 Litern an, im wirklichen Leben schluckte der CR-V dann doch 7,8 Liter, was für einen Allradler gar nicht so schlecht ist.

Die Fahreigenschaften des CR-V sind komfortbetont, was den SUV zu einem sehr bequemen Langstreckenfahrzeug macht. Dank Allrad meistert er jegliche Kurven ohne Probleme, neigt kaum zum Wanken und auch die Nickbewegungen beim Bremsen halten sich in Grenzen.

Natürlich wird der Fahrer von einem wahren Heer von Assistenten unterstützt, wobei uns einer, der für die Verkehrszeichenerkennung zuständig ist, mehrfach enttäuschte. Vor allem die Schilder auf Schilderbrücken erkannte er oft nicht und las auch sonst manchmal nicht korrekt ab. Ärgerlich ist dies, denn mittlerweile verlässt sich jeder Fahrer auf diesen hilfreichen Assistenten. Einen der Assistenten wollen wir jedoch besonders loben. Es ist der vorausschauende Tempomat (i-ACC) der geradezu hellseherische Fähigkeiten besitzt.  Der „siebte Sinn“ erkennt via Kamera und Radar, wo sich andere Fahrzeuge auf der Straße befinden und sagt deren eventuelles Einscheren auf die eigene Fahrbahn voraus – etwa fünf Sekunden bevor es dann wirklich passiert. Bei Gefahr bremst das i-ACC den Wagen leicht ab. Wird’s eng, bremst das System stärker, um einen sicheren Abstand zu gewährleisten. Das finden wir klasse.

Und wie steht’s mit dem Preis? Wer das Top-Modell „Executive“ mit 4WD kauft, muss den stolzen Preis von 40 390 Euro auf den Tisch des Händlers blättern. Und wer sich dann noch bei diversen Assistenten bedient und auch bei den Farben und Felgen recht wählerisch ist, wir wahrscheinlich noch mal knapp 10 000 draufsatteln müssen. (autour24/khf)

Technische Daten Honda CR-V Executive 1.6 i-DTEC:  Hubraum: 1597 ccm, Leistung: 160 PS bei 4000/min, Drehmoment: 350 Nm bei 2000/min. Länge/Breite/Höhe: 4,61/1,82/1,67. Leergewicht/Zuladung: 1700/470 kg. Kofferraum: 589 – 1669 l. 0–100 km/h: 9,9 Sek. Höchstgeschwindigkeit: 202 km/h. Normverbrauch: 5,1 l Diesel, CO2-Ausstoß: 133 g/km, Energieeffizienzklasse: A. Preis: ab 40.390 Euro.

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