Audi Q3: Weniger Zylinder, mehr Sparsamkeit

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Von Klaus H. Frank

Er ist „everybodys darling“, der Audi Q3. Aber nicht nur der Liebling von jenen Damen und Herren, die sich diesen Beau unter den kompakten SUV in die Garage stellen, sondern auch Liebling des Herstellers selbst. Denn der schnieke Ingolstädter sorgt seit seinem ersten Auftritt im Jahre 2011 kontinuierlich für sehr gute Zulassungszahlen, was in der Vorstandsetage sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen wird.

Kein Wunder, dass er läuft und läuft: Der todschicke Q3 wirkt sehr modern, aber nicht modernistisch, unauffällig elegant und steht ungemein satt auf der Straße. Dieser beeindruckende Auftritt hat sich seit dem Facelift von vor einem Jahr noch verstärkt. Bis dahin hing dem Q3 ein bisschen der Hauch eines weichgespülten Offroaders an. Jetzt aber ist er mit seinem geschärften Design mehr in die Abenteuer-Richtung eingeschwenkt. Das tut ihm gut.

Bei der Innenausstattung ist der Q3 typisch Audi, besitzt die gleichen hochwertigen und bestens verarbeiteten Materialien wie seine Brüder und Schwestern. Der Q3 fährt serienmäßig mit Xenon-Scheinwerfern, kann aber auf Wunsch mit LED-Leuchten bestückt werden, was ihm gut zu Gesicht steht – aber es kostet. Bei den Assistenzsystemen bleibt nahezu kein Wunsch offen – solange man auch den Geldbeutel offen lässt. Denn die meisten der hilfreichen Heinzelmännchen kosten Aufpreis – dazu später mehr. Die Platzverhältnisse sind gut, jedoch nicht überragend, wenn es um die Kopffreiheit in der zweiten Reihe geht. Das sanft abfallende Heck des 1,59 Meter flachen Q3 sieht zwar toll aus, zwingt jedoch großgewachsene Menschen zum Kopfeinziehen. Das Kofferraumvolumen von 460 bis 1365 Litern ist knapp, aber gerade noch akzeptabel für ein Auto mit 4,39 Metern Länge.

Die Fahreigenschaften des recht straff ausgelegten Q3 sind sehr gut – auch ohne quattro-Antrieb, der für den von uns gefahrenen 1.4 TFSI nicht verfügbar ist. Kurven nimmt der leicht untersteuernde Q3 sicher und souverän und erreicht dank der optionalen adaptiven Dämpfer für einen SUV recht hohe Kurvengeschwindigkeiten. Wer zu forsch um die Ecken möchte, erfährt dies durch heftiges Schieben über die Vorderräder und wird vom ESP durch gezieltes Bremsen rasch wieder auf den rechten Kurs gebracht. Wankbewegungen sind kaum zu verzeichnen und auch Lastwechselreaktionen sind beim Lupfen des Gaspedals in Kurven kaum vorhanden.

Ein besonderes Augenmerk gilt dem Triebwerk, einem 1,4-Liter-Vierzylinder mit 150 PS und einem Maximaldrehmoment von 250 Nm schon bei erstaunlich niedrigen 1500 Touren. Das Besondere an diesem Motor jedoch ist die Zylinderabschaltung (cylinder on demand). Werden dem Triebwerk keine Höchstleistungen abverlangt und gleitet das Fahrzeug mit geringem Gas-Einsatz auf ebener Straße dahin, dann werden Zylinder zwei und drei abgeschaltet. Abschalten heißt: Es wird kein Treibstoff eingespritzt und die Ventile bleiben geschlossen, weil sie von der Nockenwelle nicht mehr angetrieben werden. Die Drehzahl muss dafür zwischen 1400 und 4000 Touren und das Drehmoment etwa zwischen 25 und 75 Newtonmetern liegen. Gibt der Fahrer wieder kräftig Gas, werden die abgeschalteten Zylinder erneut aktiv. Dieser Vorgang dauert je nach momentaner Drehzahl zwischen 13 bis 36 Millisekunden. Der Fahrer spürt vom Abschalten und wieder Einschalten absolut nichts. Bremst der Fahrer, wird der Zweizylinderbetrieb abgebrochen, damit alle vier Zylinder im Schub die Bremswirkung unterstützen können. Beim Bergab-Rollen unterbleibt die Abschaltung generell.

Und auch mit nur zwei Zylindern läuft das Triebwerk sehr leise und vibrationsarm. Nun könnte man glauben, dass sich durch die Abschaltung der Hälfte der Zylinder auch der Spritverbrauch halbiert. Dem ist aber nicht so. Das Einsparpotenzial liegt bei lediglich 0,4 Liter – so hat Audi ausgerechnet, weil die beiden noch fleißigen Zylinder mit einem höheren Wirkungsgrad arbeiten müssen. Den Normverbrauch gibt Audi  für den Q3 mit 6-Gang S-tronic mit 5,8 Litern an, im Test schluckt der Q3 einen glatten Litern mehr – ein Verbrauch, mit dem man gut leben kann. Ebenso wie mit den Fahrleistungen: Den Sprint auf 100 absolviert der 1380 Kilo (ohne Fahrer) schwere Q3 in 9,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 204 km/h.

Der Audi Q3 ist ein Premium-Fahrzeug – und Premium ist teuer. Mit der S-tronic kostet der Q3 1.4 TFSI mindestens 31 950 Euro. Klingt eigentlich ganz gut, aber wer kauft schon ein nacktes Auto, wo es doch so viele wichtige und unwichtige Goodies gibt. Und die summieren sich, ist man etwas übereifrig bei der Bestellung. LED-Licht vorne und hinten (mit dem coolen sich nach außen bewegenden Blinker-Leuchtenband) kostet 1390 Euro. Der Komfortschlüssel mit Startknopf auf der Konsole 410 Euro. Eine elektrische Heckklappe liegt bei 490 Euro, der Park-Assistent mit Kamera bei 1300 Euro. Das hervorragend MMI Navi plus schlägt mit 2390 Euro zu Buche, die Dämpferregelung mit 980 Euro. Die fast schon üblichen Assistenten wie Side Assist (500 Euro) und Lane Assist (600 Euro) dürfen natürlich auch nicht fehlen, genau wie eine echt geile Lackierung in daytona-grau mit Perleffekt für satte 2300 Euro. So bewegt sich der Preis denn schnell auf Dimensionen zu, bei denen nachgedacht und nachgerechnet werden muss, ob dies wirklich noch „everybodys darling“ ist. Audi aber vermeldet ständig neue hervorragende Verkaufszahlen für den Q3 – also wird’s schon stimmen mit jedermanns Liebling. Koste es was es wolle. (autour24)

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