Schloss Bensberg Classics 2016: Barocke Lebensfreude

Versailles und Winchester Castle waren die architektonischen Vorbilder, als der Düsseldorfer Kurfürst Johann Wilhelm II. – von den jecken Rheinländern zu Lebzeiten stets Jan Wellem genannt – 1703 den Bau seines Alterssitzes in Auftrag gab. In exponierter Lage auf der Bensberger Bergterrasse entstand ein stattliches Jagdschloss, dessen Mittelachse mit einem atemberaubenden Blick direkt auf Köln und dem Dom ausgerichtet ist. Vor dieser beeindruckenden Kulisse fand am vergangenen Wochenende erneut die Schloss Bensberg Classics statt.

Auch bei der diesjährigen achten Auflage begann das Klassiker-Event mit der Rallye Historique am Sonnabend. Über 100 Teams gingen in automobilen Legenden auf die knapp 200 Kilometer lange Route durch das Bergische Land – in diesem Jahr unter erschwerten Bedingungen. Ein wolkenverhangener Himmel zum Start vor dem Schloss, gefolgt von heftigen Sommerregenschauern und funkelnden, serpentinenreichen Straßen in der durchbrechenden Nachmittagssonne erforderten von Mensch und Maschine besondere Leistungen.

Aber auch die Prüfungen unterwegs bieten jedes Jahr neue Herausforderungen. Neben den klassischen Gleichmäßigkeitsprüfungen mit Zeitmessungen durch Lichtschranken und Schläuche sind bei so genannten Gymkhana-Prüfungen die Geschicklichkeit und das Teamwork der Fahrerpaarungen gefragt: Gar nicht so einfach mit einem Rolls-Royce Silver Shadow II aus dem Jahr 1978 mit dem rechten Vorderrad exakt die Mitte eines 30 x 30 Zentimeter großen Brettes zu treffen. Mit dem Hinterrad klappte es dann, die Hupe ertönte, aber zu spät, da waren die 50 Strafpunkte schon längst notiert worden. Besser machten es Carolin Steinhausen und Patrick Weber mit einem BMW 3.0 S von 1973 in der Kategorie „Electronic“ sowie Marion und Jörg Viebahn mit einem Porsche 356 B Roadster S von 1960 in der Kategorie „Sanduhr“. Sie waren die Gesamtsieger der Rallye Historique.

Mit dabei im diesjährigen Rekord-Teilnehmerfeld war auch eine kleine Fahrzeugflotte aus den Wolfsburger und Osnabrücker Sammlungen der Volkswagen Classic-Abteilung und von deren Kollegen der Audi-Tradition aus Ingolstadt. Der Volkswagen-Konzern ist seit der Premiere der Veranstaltung einer der Hauptsponsoren. „Die Schloss Bensberg Classics sind nach wie vor eine der schönsten Veranstaltungen für die Fans automobiler Historie. Sie lebt von der außergewöhnlichen Kombination der Rallye Historique am Sonnabend mit dem Concours d´Elégance am Sonntag“, meint Sascha Neumann, Leiter Volkswagen Classic.

Unter anderem bereicherten ein Volkswagen Käfer 1100 Cabriolet Hebmüller (1950), ein VW 411 Cabriolet (ein fahrender Prototyp und daher ein Unikat) und das letzte bei Karmann gebaute Käfer Cabrio: ein VW 1303 LS (1980) das vielfältige Teilnehmerfeld. Denn einige Teilnehmer lassen es sich nicht nehmen, mit demselben Fahrzeug sowohl an der Rallye als auch am Concours d´Elégance teilzunehmen, sogar mit einem so seltenen Fahrzeug wie einem Jensen FF, von dem zwischen 1966 und 1971 lediglich 320 Stück gebaut worden sind. Er verfügte bereits 14 Jahre vor dem Audi Quattro über ein System, das 37 Prozent der Leistung an die Vorder- und 63 Prozent an die Hinterräder leitete. Und sogar über das erste serienmäßig eingebaute Antiblockiersystem der Firma Dunlop.

Am Sonntagvormittag lädt im Park hinter dem Schloss unter anderem das Porsche Museum in Stuttgart-Zuffenhausen zum Besuch einiger besonderer Juwelen. Unter dem Motto: „50 Jahre Porsche 911 R“ funkelten ausgewählte „Elfer“ um die Wette, die einst für den Sporteinsatz bestimmt waren. Der älteste und seltendste Vertreter war der Porsche 911 R (1968). Ein 911 RS 2.7 (1973) und ein 911 RS 3.0 (1974) zeigten die Weiterentwicklung dieser Leichtbau-911. Der 911 R von 2016 bildet den aktuellen Höhepunkt dieser Evolution: Lediglich 991 Männer und Frauen werden vom Herbst diesen Jahres an mit ihm unterwegs sein – mit 550 PS, bei lediglich 1370 Kilogramm Gewicht und natürlich von Hand geschaltet.

Nach dem Mittag krönt traditionell der Concours d´Elégance die Schloss Bensberg Classics. Dabei handelt es sich schlichtweg um einen Schönheitswettbewerb für Oldtimer. Die bekanntesten Concours-Veranstaltungen sind der Concorso d´Eleganza an der Villa d´Este am Comer See und der Concours im kalifornischen Pebble Beach. Aber Bensberg ist auf einem guten Weg, zu diesen High-Class-Events aufzuschließen. Das Teilnehmerfeld des Wettbewerbs wird illustrer, was auch die Mitglieder der Jury bestätigten. Sie begutachteten die ausgestellten Fahrzeuge und achteten auf jedes Detail. Angeführt wurden die Wertungsrichter erneut vom Chef-Juror Franz-Josef Paefgen, dem ehemaligen Bugatti- und Bentley-Präsidenten. Die Jury verlieh schließlich dem Ferrari 340 America Touring Berlinetta von 1951 den begehrten Preis „Best of Show by Jury“. Das Publikum entschied sich bei der Vergabe des „Best of Show by Public“ für den BMW 507 Roadster von 1957. (ampnet/av)

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here