Audi beschert Kuba eine zweite Revolution

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Von Klaus H. Frank

Da rieben sich schon einige die Augen – hierzulande und vor allen Dingen auf Kuba. Ausgerechnet dort, im sozialistischen Inselstaat mit seinem autoritären Einparteiensystem, stellte Audi seinen neuen Q2 vor – ein Auto das eigentlich die Herzen junger Menschen in heimischen Gefilden erobern soll. In Kuba erscheint er zur Zeit noch etwas deplatziert zwischen all den zusammengeflickten Straßenkreuzern, die einst die Amis zurücklassen mussten, als sie von Fidel Castro und Che Guevara von der karibischen Insel gejagt wurden.

Warum Audi gerade in Kuba den Q2 vorgestellt hat, zaubert dem nachdenklichen Zeitgenossen einige Fragezeichen auf die Stirn. Ein Grund könnte sein, dass die Ingolstädter die Ersten sein wollten, die in einem solch exotischen Land, die Präsentation eines neuen Fahrzeugs wagen. Vielmehr aber könnte es auch daran liegen, dass sich Kuba nun langsam öffnet und seine Bevölkerung darauf hofft, stärker an den Segnungen des Westens teilhaben zu können. Jahrzehntelang war der Autohandel stark beschränkt. Im Dezember 2013 jedoch hat die Regierung das Import- und Handelsverbot für Autos aufgehoben. De facto aber behält der Staat das Monopol auf die Neuwagen. Die Preise werden von der Regierung festgelegt und sind so hoch, dass sich kaum jemand ein neues Auto leisten kann. Kein Wunder: Ein Kubaner verdient im Monat gerade mal zwischen 25 und 35 Euro. Aber das Handelsembargo der USA dürfte bald fallen, die Oldtimer aus den 50er Jahren einen Parkplatz im Museum finden und deutlich mehr moderne Neuwagen auf Kubas holprigen Straßen fahren. Dennoch: Bis auf dem Malecon, dieser immer bunter werdenden Uferpromenade Havannas, einmal ein Stau zu sehen sein wird – verursacht von schicken neuen Autos, auch solchen aus Ingolstadt – werden noch viele, viele Jahre vergehen.

Kommen wir zum Auto selbst. Audi sieht in seinem neuen superkompakten SUV Q2 einen jugendlich gestylten Allrounder, der abseits befestigter Straßen genauso viel Spaß bereiten soll wie im Alltag einer Großstadt. Breite Schultern und kantige Züge demonstrieren Selbstbewusstsein. So geduckt, wie der Lifestyle-Sportler da steht, mit niedrigem ‚Dach und hoher Fensterlinie erinnert er an ein Coupé. Besonders markant: die keilförmigen Scheinwerfer, der hoch angesetzt Singleframe-Grill und die groß dimensionierten Lufteinlässe. Ein langer Dachkantenspoiler und ein Diffusor in Unterfahrschutz-Optik formen einen knackigen Hintern. Und hinter der Heckklappe verbirgt sich ein großes Ladeabteil mit viel Platz für Sportequipment oder Großeinkäufe. Mit 405 Liter schluckt der Kofferraum 55 Liter mehr als der Mini Countryman, der wohl als sein potentester Konkurrent anzusehen ist. Vier Fahrgäste sitzen bequem mit ausreichend Kopffreiheit, zur Not passen auch mal fünf Personen in den Q2. Die Heckklappe öffnet und schließt auf Wunsch elektrisch. Praktisch: Eine Durchlade in der Rückbank macht den Transport von Skiern etc zum Kinderspiel. Ein besonderer Gag: Die C-Säulen-Verkleidung lässt sich in etlichen verschiedenen Farben bestellen – ein USP für den Q2.

Ein Blick in den Innenraum des 1,41 Meter hohen und 4,19 Meter kurzen Viertürers: Die Übersicht ist SUV-typisch gut. Bei Connectivity und Infotainment zieht der Q2 mit der Oberklasse gleich. Per optionalem Touchpad kann der Fahrer schreiben und in der Karte zoomen, während die Passagiere über einen WLAN-Hotspot mit Smartphone, Tablet & Co. surfen und streamen. Tacho und Drehzahlmesser leuchten auf Wunsch im volldigitalen Audi Virtual Cockpit, dessen 12,3-Zoll-Bildschirm hochdetaillierte, brillante Grafiken liefert. Das Head-up-Display projiziert die wichtigsten Daten, wie Navigationshinweise und Geschwindigkeit, ins Blickfeld des Fahrers. Und weil das nicht genug ist, zeigen die Audi Online-Dienste – wenn gewünscht – unter anderem Parkplatzinfos, Kraftstoffpreise und aktuelle Nachrichten auf dem Monitor des Infotainmentsystems. Auch Twitter und ausgewählte Smartphone-Inhalte kommen so an Bord. Die dafür benötigte Daten-Flatrate ist dank der fest im Q2 verbauten SIM inklusive. Eine kostenlose App ermöglicht Online Media Streaming und die Übertragung des Kalenders vom Smartphone auf den Monitor im Auto. Mit iOS-Betriebssystemen lässt sich sogar die Adresse des Lieblingsrestaurants oder eines Hotels direkt ins Q2-Navi übertragen. Alles wie geschaffen für die Generation Smartphone.

Nicht nur Volvo sammelt beim Thema Sicherheit Meriten – auch Audi kann’s. Sollte plötzlich ein Kind auf die Straße rennen oder der Vordermann abrupt abbremsen, dann bremst auch der Q2 automatisch. Obendrein hält er – sofern das entsprechende Kreuz in der Ausstattungsliste gesetzt ist – selbstständig den Abstand zum Vordermann, übernimmt im zäh fließenden Verkehr auf Autobahnen bis 65 km/h kurzzeitig die Lenkarbeit, überwacht den toten Winkel, erkennt Verkehrszeichen und assistiert ab 60 km/h beim Halten der Fahrspur. Reagiert der Fahrer nicht auf die Warnungen des Spurhalteassistenten, bringt der neue Notfallassistent den Audi Q2 selbstständig zum Stillstand. Sogar in Längs- und Querparklücken steuert der smarte SUV allein. Das Ausparken übernimmt er ebenfalls. Der Fahrer muss nur noch den richtigen Gang einlegen, Gas geben und bremsen.

Und ganz selbstverständlich kann der Audi Q2 auch Gelände: Mit kurzen Überhängen und knapp 15 Zentimeter Bodenfreiheit kraxelt der Q2 mühelos den Berg hinauf und durch Wald und Flur. Für die nötige Traktion und den entsprechenden Grip sorgt der permanente Allradantrieb – serienmäßig beim Top-Diesel und -Benziner. Beide sind mit einer neu entwickelten Siebengang-Automatik verheiratet. Blitzschnell sortiert die Doppelkupplung die Gänge und bietet lückenlosen Fahrspaß. Wer lieber selbst zum Schalthebel greift, wird am knackig und präzise geführten Handschalter viel Freude haben.

Insgesamt schickt Audi den Q2 mit sechs Motoren, je drei TFSI und TDI zwischen 116 PS und 190 PS ins Rennen. Neben der Einstiegsvariante mit dem 1,0-Liter-Dreizylinder (ab 22 900 Euro) und dem 1.4 TSFI ist auch ein 2.0 TSFI im Programm. Die drei Diesel haben 1,6 und 2,0 Liter Hubraum. Der günstigste Diesel (1.6 TDI, ebenfalls 116 PS) schlägt mit mindestens 25 850 Euro zu Buche. Teuer wird es bei den 190-PS-Spitzenmodellen: Während für den 2.0 TFSI 31 800 Euro auf den Tisch zu legen sind, müssen Käufer des 2.0 TDI 34 000 Euro vom Konta abheben. Als sicher gilt, dass Audi noch den Supersportler SQ2 mit 310 PS nachschiebt – Preis unbekannt. Ab Juli ist der kompakte SUV bestellbar; im Herbst kommt er zu den Händlern.

Noch ein Satz zum Thema Kuba. Wenngleich das Erscheinen des kleinen Audi Q2 dort geradezu eine zweite Revolution anzettelte, sind die vier Ringe den Kubanern gar nicht so fremd. Denn der oberste Kubaner, Präsident Raul Castro, Bruder von Fidel, fährt einen hochmodernen Audi A8. (autour24/khf)

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