Wenn’s am Gasfuß sachte anklopft

Von Klaus H. Frank

Assistenten, diese kleinen elektronischen Heinzelmännchen mit ihren praktischen „Charakterzügen“, erleichtern dem Autofahrer das Leben ganz beträchtlich. Sie helfen beim Einparken, passen auf, dass der Fahrer nicht einschläft, überwachen das Tempo und vieles mehr. Jetzt hat Bosch einen neuen Assistenten geboren, der gleichzeitig für Sparsamkeit und Sicherheit sorgen soll: das aktive Gaspedal.

Es ist ja keine neue Weisheit, dass das größte Spritsparpotenzial im Gasfuß des Fahrers sitzt. Fährt er mit viel „Zehenspitzengefühl“ und vorausschauend, dann kann sich der Treibstoffverbrauch um bis zu 25 Prozent reduzieren, meint Bosch. Doch dazu gehört Feingefühl. Und das hat nicht jeder. In Spritsparkursen kann der aufgeschlossene Autofahrer zwar vieles dazulernen – praktischer aber ist das neue aktive Gaspedal, das, laut Bosch, den Spritverbrauch um sieben Prozent senken kann.

Möglich ist dies durch die Vernetzung verschiedener Komponenten, z. B. das Gaspedal mit dem Schaltgetriebe. Das Wechseln der Gänge zum richtigen Zeitpunkt ist sehr wichtig für Effizienz bei Leistung und Verbrauch. Bisher konnte sich der Fahrer – abgesehen von seinem Gehör – lediglich am Drehzahlmesser oder an kleinen nach oben oder unten gerichteten Pfeilen im Display orientieren, wann er den Gang wechseln sollte. Dank des aktiven Gaspedals ist der Fahrer nun nicht mehr auf optische Signale (die oft übersehen werden) angewiesen. Jetzt erhält er eine „spürbare“ Empfehlung, wann er schalten sollte. „Ein sanftes Klopfen des Gaspedals gegen die rechte Fußsohle macht deutlich, wann der optimale Zeitpunkt zum Gangwechsel gekommen ist“, sagt Stefan Seiberth, von Bosch.

Zusätzlich kann gespart werden,  wenn das aktive Gaspedal mit der Segelfunktion des Fahrzeugs zusammenarbeitet. Beim „Segeln“  wird (in der Regel  bei Hybridfahrzeugen) der Motor während der Fahrt abgeschaltet und vom Antriebsstrang getrennt. So „segelt“ das Fahrzeug nahezu ohne bremsende Einflüsse, und der Treibstoffverbrauch liegt bei  null. Sobald der Segelmodus sinnvoll ist, dies sei auf 30 Prozent der gefahrenen Strecken der Fall, meint Bosch, könne das Pedal sich pulsierend bemerkbar machen. Bei Hybridfahrzeugen außerdem, wenn der Antriebs-Wechsel vom Elektromotor zum Verbrennungsmotor bevorsteht. Durch das „Anklopfen“ des Gaspedals werde der Autofahrer aufmerksam und könne sein Fahrverhalten intuitiv anpassen, indem er länger im Strombetrieb bleibt und damit Kraftstoff  spart.

Das aktive Gaspedal hilft nicht nur beim Spritsparen, macht Bosch deutlich, es kann Autos auch sicherer machen, weil es sich mit etlichen Sicherheits-Assistenzsystemen  vernetzen lässt. Kooperiert es beispielweise  mit dem Abstandswarner, dann kann die Vibration am Gasfuß andeuten, nicht weiter zu beschleunigen. Gekoppelt mit dem Navigationssystem warnt  das Pedal den Fahrer zum Beispiel mit Gegendruck, wenn eine gefährlichen Kurve zu schnell angefahren wird. Kooperiert es mit einer Kamera zur Verkehrszeichenerkennung, dann „stemmt“ es sich gegen weiteres Gas geben, wenn Tempolimits übersehen werden. Auch mit Navi-Onlinedaten aus einer Cloud kann das Pedal vernetzt werden und dann vor Falschfahrern oder Staus hinter unübersichtlichen Kurven warnen.

Klingt momentan sicherlich alles ein bisschen futuristisch, wird aber sicherlich kommen, denn in spätestens zwei Jahren soll es bei verschiedenen Herstellern in Serie gehen.

 

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