Seat Leon Cupra 290 – darf’s ein bisschen mehr sein?

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Von Klaus H. Frank

280 PS, das war bisher schon eine ordentliche „Hausnummer“ für den stärksten Seat – den Leon Cupra 280. Da die Konkurrenz jedoch nicht schläft und fleißig hochrüstet (ein Honda Civic Type R hat 310 PS), greifen die Spanier in den Doping-Schrank und verpassen ihrem Supersportler jetzt eine Leistungsspritze mit weiteren 10 PS – summa summarum also 290 PS. Da bekommt sogar der Konzernbruder VW Golf R so langsam die Flatter, denn dessen 300 PS relativieren sich angesichts seines Mehrgewichts von rund 80 Kilo. Der Cupra hingegen wiegt nur 1395 Kilogramm und ist damit deutlich leichtfüßiger und agiler unterwegs, obwohl er beim Sprint auf 100 den Golf R ziehen lassen muss. Der beschleunigt dank Allradantrieb und DSG in 5,1 Sekunden – sechs Zehntel besser als der handgeschaltete Fronttriebler Cupra. Die Top-Speed des Spaniers: 250 km/h.

Das Cupra-Triebwerk mit zwei Liter Hubraum ist im Grunde genommen gleich geblieben, produziert wie gehabt 350 Nm Drehmoment – nun jedoch über das breitere Drehzahlband von 1700 bis 5800 Touren. Kraft im Überfluss, die an die Vorderräder geliefert wird – und die können erstaunlich gut damit umgehen. Zwar scharren sie beim Vollgas-Start je nach Untergrund mit ihren Gummis wie nervöse Vollblüter mit ihren Hufen, werden von der Traktionskontrolle aber schnell auf Grip eingebremst. Auch die hydraulische Quersperre zügelt die Tendenz zum Durchdrehen, obwohl die ihre große Stärke erst in Kurven ausspielt. Dort unterbindet sie das Untersteuern sehr nachdrücklich, schickt Kraft an das kurvenäußere Vorderrad – und zwar bis zu 100 Prozent (!). So wird der Leon Cupra quasi aus der Kurve herausgezogen – ein Gefühl, fast wie bei einem Hecktriebler. Überhaupt: Kurven lassen sich mit dem Cupra so präzise umrunden wie nie zuvor. Die Progressivlenkung ist im sportlichen Modus so feinfühlig und direkt, dass selbst in engen Serpentinen beim Lenken nicht umgegriffen werden muss und der Fahrer glaubt, auch die kleinste Unebenheit in der Fahrbahn spüren zu können. Die adaptive Fahrwerksregelung DCC passt das Fahrwerk den Straßenverhältnissen in Millisekunden an, das ESP hält sich bis kurz vor der “Schmerzgrenze“ vornehm zurück und ist für den Rennkurs sogar abschaltbar.

Die zehn PS Mehrleistung entlocken die Ingenieure dem Triebwerk durch Modifizierungen des Motormanagements und durch eine neue, leichtere Abgasanlage (nur im dreitürigen Coupé und Fünftürer), die ohne Mittelschalldämpfer den Motor freier atmen lässt. Gleichzeitig verbessert sie den Sound, dessen Repertoire sich von kehlig sonor bis giftig bissig erstreckt. Und zwar ohne künstliche Hilfsmittel, wie Klappensteuerung oder Lautsprecher. Dass mit der Leistung nach oben hin nicht Schluss sein muss, bestätigt Seat-Entwicklungs-Vorstand Matthias Rabe, will aber Konkretes nicht verraten. Schaun wir mal.

Eine angenehme Überraschung ist der Verbrauch. Wenngleich 6,5 Liter (nach Norm) ein rein theoretischer, auf dem Prüfstand gemessenerer Wert ist: Wer den 290-PS-Renner moderat fährt, kommt tatsächlich damit hin. Bei ersten Tests im katalonischen Umland, bei dem der Cupra auf polizeilich abgesperrten Straßen auch mal „fliegen“ durfte, ließ sich nach Testende ein Wert von 9,9 Litern ablesen – kein Wunder.

Angeboten wird der Seat Leon Cupra 290 in drei Karosserievarianten. Als Fünftürer kostet er 33 620 Euro, als dreitüriger SC 33 120 Euro, der Kombi ST liegt bei 34 750 Euro. Mit DSG sind es 1700 Euro mehr. Hervorragende Preise für ein Auto, das den Spagat zwischen Familienkutsche (Kofferraumvolumen beim ST bis 1470 Liter) und Sportwagen schafft und die Nordschleife des Nürburgrings in 7:58 Minuten zu umrunden vermag – Kenner der „grünen Hölle“ werden respektvoll die Augenbrauen hochziehen.

Technische Daten Seat Leon Cupra ST 290 DSG: Fünftüriger, fünfsitziger Kombi der Kompaktklasse; L: 4,54 Meter, B: 1,82 Meter, H: 1,43 Meter, Radstand: 2,63 Meter, Kofferraumvolumen: 587 – 1470 Liter. 2,0-Liter-Benzin-Direkteinspritzer, 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, 290 PS, maximales Drehmoment: 350 Nm zwischen 1700 und 5600 U/min, 0-100 km/h: 5,9 s, Spitze: 250 km/h. Normverbrauch: 6,6 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 154 g/km, Effizienzklasse: D, Abgasnorm: Euro 6, Testverbrauch: 9,9 Liter. Preis: ab 36.450 Euro.

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