Audi Q7 e-tron – am Zwischenziel

Von Klaus H. Frank

Audi möchte die nachhaltigste Premium-Marke der Welt werden. Ein ambitioniertes Ziel – und ein langer Weg, an dessem Ende CO2-neutrale Mobilität nicht nur als Vision stehen soll. Wenn Audi im Jahr 2018 seinen ersten Elektro-SUV e-tron quattro (vermutlich unter der Bezeichnung Q6) auf die Straße schicken wird, dürfte ein wichtiger Schritt getan sein: Mit der Reichweite von rund 500 Kilometern und Ladezeiten von einer halben Stunde (für 400 km) hat Elektromobilität dann den Alltag erreicht.

Doch bis dahin ist noch etwas Zeit. Quasi als Zwischenziel bringt Audi im Frühjahr 2016 den Q7 e-tron 3.0 TDI quattro, ein Plug-in-Hybrid, der an jeder Haushaltssteckdose in acht Stunden aufgeladen werden kann. Wird mit einem 7,2 kW-Boost mit Industriestecker Strom nachgetankt, ist der Akku in zweieinhalb Stunden wieder voll. Neu sind diese Plug-in-Hybride sicher nicht, denn auch Mercedes, BMW, Porsche und andere haben Teilzeit-Stromer. Audi jedoch nimmt für sich in Anspruch, das für einen SUV (nur Mitsubishi und Volvo besitzen hier auch ein Modell) bisher beste Konzept zu besitzen. Mit einer rein elektrischen Reichweite von 56 Kilometern kann der Q7 e-tron vor allem für Städter und Pendler die emissionsfreie Antriebs-Alternative sein.

Der Q7 e-tron wird von einem 128 PS starken E-Motor (350 Nm) und – wenn das elektrische Potenzial erschöpft ist – von einem Diesel mit 258 PS (600 Nm) angetrieben. Das Gesamtsystem leistet 373 PS und liefert ein Drehmoment von 700 Nm. Damit beschleunigt der SUV mit seiner sehr sanft schaltenden Achtstufen-Automatik in sechs Sekunden auf 100 und weiter bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h. Die E-Maschine, die von einem Lithium-Ionen-Akku mit 17,2 kW/h gespeist wird, beschleunigt den Q7 rein elektrisch in 6,5 Sekunden auf Tempo 60 und maximal bis 125 km/h. Arbeiten E- und Verbrennungs-Motor zusammen und nützen ihre Potenziale voll aus, dann liegt die Gesamt-Reichweite bei 1410 Kilometern – das ist eine echte Hausnummer. Erstaunlich wie unaufdringlich die beiden Triebwerke harmonieren: Vom Umschalten von Elektro auf Verbrennung oder umgekehrt ist im Führerhaus nichts zu verspüren, es geschieht unmerklich.

Wie Audi-Ingenieure um jeden Kilometer elektrischer Reichweite gerungen haben, zeigen folgende Beispiele: Erstmals wird über eine Wärmepumpe die Abwärme des elektrischen Antriebs zur Klimatisierung des Innenraums genutzt – so kann Strom gespart werden, um zusätzliche sechs Kilometer elektrisches Fahren zu gewinnen. Geradezu genial arbeitet der „prädiktive Effizienzassistent“. Das elektronische System schaut stets drei Kilometer voraus auf die Fahrtstrecke, nutzt Navigationsdaten – auch bei inaktiver Streckenführung –, erkennt Tempolimits, Ortsschilder, Kurven, Steigungen, Gefälle und weist den Fahrer optisch darauf hin, wann es sinnvoll wäre, den Fuß vom Gas zu nehmen, um über Rekuperation Strom zu gewinnen. Damit der Fahrer den Hinweis nicht übersieht, klopft das Gaspedal sachte gegen die Fußsohle – das kriegt dann jeder mit. Über den Betriebszustand informiert das serienmäßige virtuelle Cockpit. Hier kann der Pilot neben den Navigationshinweisen auch die elektrische Reichweite, den Ladezustand, Energiefluss etc. ablesen.

Grimm’s Märchen jedoch entstammt der Normverbrauch von 1,7 Litern (CO2-Ausstoß 46 g/km), wie bei einem knapp 100 Kilometer langen Test zu erfahren ist. Obwohl der e-tron dank günstiger Topographie und sanftem Gasfuß mit entkoppeltem Antrieb sehr oft segelt und recht häufig rekuperiert, zeigt der Bordcomputer am Ende dennoch einen Verbrauch von 5,9 Litern an. Kein Wunder eigentlich, denn der Dreiliter-V6-Diesel muss öfter mal helfen, den Q7 e-tron anzuschieben. Der 5,05 Meter lange Luxusliner ist mit einem Gesamtgewicht von 2445 Kilo etwa 450 Kilo schwerer als ein normaler Q7 TDI – und die wollen bewegt werden. Das hohe Gewicht ist auch im Handling zu spüren: die neun Zentner Mehrgewicht drücken den Q7 e-tron in Kurven etwas stärker als normal nach außen. Auf der Autobahn hingegen ist er der souveräne Cruiser.

Optisch ist der Q7 e-tron von seinem „normalen“ Pendant kaum zu unterscheiden. Kleine Retuschen am Kühlergrill und besonders strömungsgünstige 20-Zöller sind unauffällig. Die aufwändige Hybrid-Technik ist geschickt versteckt, schränkt den Innenraum überhaupt nicht, den Kofferraum (650 – 1835 Liter) mit seinem topfebenen Ladeboden um etwa 200 Liter ein. Der recht voluminöse Akku, der allein 202 Kilo wiegt, hängt platzsparend unter dem Kofferraumboden.

Es ist ein umweltschonender, aber teurer Spaß, Audi Q7 e-tron zu fahren. Mindestens 80 500 Euro kostet der Plug-in-Hybrid. Das sind fast 20 000 Euro mehr, als für den 272 PS starken Q7-TDI zu zahlen sind. Dass diese Summe über den Spritpreis jemals wieder hereingefahren werden kann, ist nicht zu erwarten.

Technische Daten: L: 5,05 Meter, B: 1,97 Meter, H: 1,74 Meter, Radstand: 2,99 Meter, Kofferraum: 650 bis 1835 Liter. Verbrennungmotor: 3,0-Liter-Sechszylinder-Diesel, 258 PS, maximales Drehmoment: 600 Nm bei 1.250 – 3.000/min. E-Motor: Leistung: 128 PS, max. Drehmoment 350 Nm, Systemleistung: 373 PS, Systemdrehmoment: 700 Nm, Achtstufen-Wandlerautomatik, 0-100 km/h: 6,0 s, Spitze: 225 km/h, Lithium-Ionen-Batterie: 17,3 kWh, elektrische Reichweite: 56 km, Durchschnittsverbrauch: 1,7 Liter, CO2-Ausstoß: 46 g/km, Preis: ab 80.500 Euro.

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