Opel Astra – die Oberklasse im Visier

Von Klaus H. Frank

Außen kleiner, innen größer – geht das? Ja, der neue Opel Astra macht‘s vor. Mit einer Länge von 4,37 Meter ist er fünf Zentimeter kürzer als der Vorgänger. Hinterbänkler jedoch haben etwa dreieinhalb Zentimeter mehr Beinfreiheit. Und der Fahrer genießt zwei Zentimeter mehr Luft zwischen Scheitel und Dach, obwohl der Astra nun 2,5 Zentimeter geduckter auf der Straße steht. Der Gepäckraum schluckt 370 Liter, bei umgelegten Sitzlehnen passen 1210 Liter auf den topfebenen Ladeboden.

Das kompaktere Design steht dem sportlich-elegant gezeichneten Astra (ab 10. Oktober beim Händler) ganz hervorragend. Er ist weniger pummelig, scharfe Kanten und markante LED-Scheinwerfer künden vom Zeitgeist. Eine optisch unterbrochene C-Säule erweckt den Eindruck, als würde das Dach über der Karosserie schweben. Leicht sieht er aus, der Astra – und er ist es auch. Bis zu 200 Kilo haben ihm die Ingenieure abgetrotzt, 77 Kilo allein bei der Rohkarosse und 50 Kilo beim Fahrwerk. Das wirkt sich positiv aus – an der Zapfsäule und beim Fahrverhalten.

Eine komplett neue Motorengeneration (95 bis 200 PS) übt sich konsequent in Sparsamkeit und Laufkultur. Besonders der kleine 1.0-Liter-Dreizylinder-Turbo (ab 17 960 Euro) mit 105 PS tut sich in der Knauser-Disziplin hervor und verbraucht nach Norm nur 4,2 Liter. Mit 170 Nm Drehmoment schon ab 1800 Touren wirkt er kraftvoll. In Sachen Laufruhe setzt er Maßstäbe bei Dreizylindern. Bei den Selbstzündern beeindruckt der stärkste der drei „Flüsterdiesel“ (O-Ton Opel), die in den Leistungsstufen 95 PS, 110 PS und 136 PS angeboten werden. Bei Richtgeschwindigkeit „130“ konsumiert der Top-Diesel (320 Nm) nur 4,3 Liter (Norm 3,9 Liter). Sein Preis: 24 910 Euro. Der Basispreis (1.4-Benziner, 100 PS) liegt unverändert bei 17 260 Euro.

Die Abspeck-Diät setzt der Astra in Leichtfüßigkeit um. Sehr präzise lenkt er in Kurven ein, bleibt gutmütig spurtreu auch bei Lastwechseln nach Gaswegnahme oder Bremsen, federt komfortabel, ohne zu weich zu sein. Einzig im vollbesetzten Zustand meldet sich die Hinterachse etwas polternd, will Querrinnen nicht so wegstecken, wie es sein sollte.

Was das Fahrwerk nicht zu schlucken vermag, kompensieren die hervorragenden Sitze. Schon seit Jahren arbeitet Opel mit der Arbeitsgemeinschaft Gesunder Rücken (AGR) zusammen und hat sich den Ruf erworben, die besten Sitze der Klasse anzubieten. Ja sogar die Oberklasse nimmt Opel mit „Wellness im Auto“ ins Visier, denn wer besitzt schon Massage- und Memory-Funktion, Lordosenstütze, Sitzheizung, Ventilation und verstellbare Sitzwangen? Und wer sonst fährt mit Intellilux LED-Matrix-Licht (ab 1150 Euro)? Damit sind Nachtfahrten ausschließlich mit Fernlicht möglich, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu blenden. Die Frontkamera erkennt entgegenkommende oder vorausfahrende Autos und schneidet sie quasi aus dem sehr weit reichenden Lichtkegel aus, lenkt das Fernlicht um sie herum.

Oberklasse-Niveau herrscht im perfekt geräuschgedämmten Innenraum. Die Materialien haben Premium-Qualität, die Verarbeitung ist Spitze und die Ergonomie dank des aufgeräumten Cockpits vorbildlich. Das wilde Knöpfe-Sammelsurium ist verschwunden, über das zentrale Touchscreen-Display werden relevante Funktionen per Finger-Tipp gesteuert. Assistenzsysteme – vom Kollisionswarner, der bis zum Stillstand abbremst, bis Parkassistenten – unterstützen den Fahrer, ein WLAN-Hotspot sorgt für eine stabile Internetverbindung. Sollte all dies nicht genügen, dann wartet per Direktverbindung ein Mitarbeiter des On-Star-Service (490 Euro), der 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr auf alle Fragen eine Antwort weiß, stets hilfsbereit ist und einen hungrigen Astra-Piloten mit dem Navi sogar zur nächsten Pizzeria leiten würde.

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