Jaguar F-Type: Gut gefaucht, Katze

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Von Klaus H. Frank

Ein Druck auf den Starterknopf weckt das Tier: Die Großkatze faucht, brüllt und jagt davon, als hätte ihr jemand auf den Schwanz getreten. Jaguars F-Type ist ein Racer, ein Vollblut-Sportwagen: laut, giftig und mit atemberaubenden Formen. Er ist der direkte Nachkomme des legendären E-Type, mit langer Schnauze, stämmigem Hintern und breiten Schultern. Das leicht nach innen eingezogene Heck besitzt für guten Abtrieb einen ab Tempo 100 automatisch ausfahrenden Heckspoiler, der sich bei weniger als 65 km/h wieder im Kofferraumdeckel versteckt, um die puristische Linie des F-Types nicht zu stören. Das sollen auch die Türgriffe nicht, denn sie schließen im „Ruhezustand“ aerodynamisch bündig mit dem Türen ab und fahren nur dann elektrisch aus, wenn jemand ein- oder aussteigen will. Das aber ist gar nicht so einfach. Wegen der niedrigen Sitzposition, den breiten Schwellern und der niedrigen Fahrzeughöhe von 1,30 Meter sollte eine gewisse Gelenkigkeit vorhanden sein. Sonst wird’s peinlich, denn: Wer mit diesem Auto unterwegs ist, wird genauestens beäugt.

Der Innenraum des Zweisitzers ist eine Mischung aus enger Flugzeugkanzel und britischer Nobelkarosse: Hochwertige Materialien, wohin man schaut. Das Armaturenbrett ist mit Leder bezogen, Alu-Applikationen sorgen für ein sportlich-luxuriöses Ambiente. Die Sportsitze sind knapp geschnitten. Es ist eng, die voluminöse Mittelkonsole trägt das Ihre dazu bei. Die Kopffreiheit ist für Personen bis 1,85 Meter okay, größere Menschen stoßen ans Dach. Total daneben ist ein Haltegriff für den Beifahrer in der Konsole – sieht komisch aus. Der Kofferraum ist ausreichend geräumig, solange kein echtes Reserverad drin liegt – sonst schrumpft das Volumen von 407 auf 272 Liter.

Der von einem Kompressor beatmete Dreiliter-V6, der unter einer riesigen, nach vorne öffnenden Motorhaube steckt, hat etwas Animalisches an sich. Er leistet in der S-Version 380 PS und besitzt sein Drehmomentmaximum von 460 Nm bereits bei 3500 Touren. Das ist Power satt, auch unten raus. So gerüstet, sprintet der F-Type in nur 4,9 Sekunden auf 100 und schafft eine limitierte Spitze von 275 km/h. Für die Weiterleitung der Kraft vom Triebwerk an die Hinterachse ist eine sehr gut abgestufte Achtstufen-Automatik zuständig. Wer beim Schalten selbst Hand anlegen will, kann dies mit Lenkradwippen oder dem zentralem Wählhebel.

Das Fahrverhalten des extrem steifen F-Type, der trotz Voll-Alu-Karosse knapp 1,6 Tonnen wiegt, ist wie von einem anderen Stern, obwohl 380 PS an der Hinterachse nicht immer leicht zu bändigen sind. ESP und Sperre halten den F-Type jedoch leicht untersteuernd auf Kurs, machen rasante Fahrten über Landstraßen – dem liebsten Terrain der britischen Großkatze – zu einem Gänsehaut-Erlebnis. Im Dynamic-Modus mimt der „Jag“ das brüllende Tier. Er reagiert spitz und posaunt auf Knopfdruck einen derart aggressiven Sound aus seiner Klappen-Abgasanlage, dass sich die Bewunderung Außenstehender schon mal in Zorn umwandeln kann – dieser infernalische Sound liegt wirklich ganz nahe an der akustischen Schmerzgrenze. Das adaptive Fahrwerk macht den F-Type im Normal-Modus bei geschlossenen Klappen des Abgassystems aber auch zu einem kultivierten Sportler, mit dem das Cruisen auf der Langstrecke richtig Spaß macht. Dann hält sich das Gebrüll aus dem Auspuff genauso wie der Spritverbrauch in Grenzen – denn wer‘s schnell mag, schafft fast doppelt so viel, wie die Norm von 9,8 Litern verspricht. Beim Preis nimmt sich die Wildkatze etwas mehr zurück als beim Sound. 79 500 Euro für das Modell mit 380 PS sind sicherlich kein Pappenstiel. Ein vergleichbarer Porsche 911 mit 400 PS kostet aber 25 000 Euro mehr.

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