BMW 428i Cabriolet – klappt doch!

 

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Von Klaus H. Frank

Es erinnert an den Kinohit „Transformers“, wenn beim BMW 428i Cabrio das Dach geöffnet oder geschlossen wird. Ein verwirrender Tanz aus Blechteilen zaubert binnen 22 Sekunden aus dem offenen 4er ein geschlossenes Coupé – und umgekehrt. Gestänge, Dachteile, Klappmechanismen greifen exakt ineinander, wirbeln atemberaubend durcheinander – ganz wie im erwähnten Science-Fiction-Film, wenn aus dem Roboter Bumblebee ein Chevrolet Camaro entsteht.

Mit Blechklappdächern, wie beim 4er, ist das aber so eine Sache. Cabrio-Puristen wollen sich damit nicht anfreunden. Verständlich. Häufig verhunzen sie die harmonische Linienführung, müssen sie doch irgendwie im Kofferraum untergebracht werden. Das Resultat ist dann meist ein hässlich hohes Heck. Nicht beim 4er Cabrio. Die Heckpartie ist flach, passt stimmig zum harmonisch fließenden, gestreckten Bild des 4er, der bullig und breit auf der Straße steht.

Wer bei offenem Dach in den Kofferraum schaut, versteht, dass Designer und Techniker gemeinsam in Sachen Ästhetik und Nutzbarkeit ein kleines Wunder vollbracht haben. Unter der Heckklappe nämlich findet sich fast nur zusammengefaltetes Blech mit Mechanik, Platz für Gepäck ist Mangelware – nur 222 Liter passen rein. Und die müssten durch einen schmalen Spalt geschoben werden, hätten die BMW-Tüftler nicht erneut in die Trickkiste gegriffen: Auf Knopfdruck nämlich lässt sich das gesamte Dachpaket um 20 Zentimeter anheben, sodass der Kofferraum relativ bequem zugänglich ist.

Bei geschlossenem Dach finden im ziemlich zerklüfteten Ladeabteil akzeptable 325 Liter Platz – das sind „Pi mal Daumen“ vier normale Getränkekisten. Wird die Rückenlehne umgeklappt, vergrößert sich das Ladevolumen auf immerhin 660 Liter. Der extrem verwindungssteife 4er ist im Vergleich zu seinem 3er-Vorgänger (Typ E93) in der Breite um 4,3 Zentimeter und in der Länge um 2,6 Zentimeter gewachsen und bietet vorne exzellente Platzverhältnisse. Hinten ist’s knapper, aber es geht.

Sicherlich macht der 4er offen die beste Figur. Aber auch geschlossen ist er sexy, sieht mit seiner dynamisch, eleganten Coupé-Linie (ohne B-Säule) richtig gut aus. Das dreiteilige Metallklappdach, das während der Fahrt nur bis Tempo 18 km/h funktioniert, ist dank eines „absorbierenden Himmels“ sehr gut geräusch- und kältegedämmt. So ist das 4er Cabrio genauso wintertauglich wie eine normale Limousine. Und wer zur kalten Jahreszeit offen fahren will, der kann. Eine Nackenheizung (400 Euro) lässt Warmluft aus den Kopfstützen strömen – Kapuze und Schal sind überflüssig.

Das 428i Cabrio besteht aber nicht nur aus Klapp-Dach. Ein Blick auf das Triebwerk ist lohnenswert. Der zwangsbeatmete Zweiliter-Direkteinspritzer leistet 245 PS und spendiert die maximale Kraft von 350 Nm bereits ab 1250 Touren, also knapp über der Leerlaufdrehzahl. Der Sprint auf 100 dauert kurze 6,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 km/h. Der Normverbrauch von 6,6 Litern klettert im Test auf 8,3 Liter. Der Sound des Vierzylinders ist enttäuschend, klingt dünn. Ein Sechszylinder kann das besser.

Fahrdynamisch ist der 4er ein Leckerbissen. Die Abstimmung des adaptiven Fahrwerks ist perfekt, Federn und Dämpfer sind auf sportliches Fahren ausgelegt. Der Normal-Modus des Fahrwerks ist eher komfortbetont, im Sportmodus ist das Ansprechverhalten von Lenkung und Motor direkter. Das passt hervorragend zur Charakteristik des Hecktrieblers, der auch in Grenzsituationen dank ESP gutmütig bleibt.

Leidiges Thema Preis. Das 428i Cabrio startet bei 49 600 Euro – nackt. Da ist zwar einiges drin, aber nicht viel. Wer auf eine Voll-Ausstattung schielt, durchbricht die 70 000-Euro-Mauer.

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