Jaguar XE – die Katze will jagen gehen

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Von Klaus H. Frank

Jaguar setzt zum Sprung an. Mit dem Debüt des neuen XE hat die britische Nobelmarke die Jagd frei gegeben auf deutsche Premiummodelle. Im Visier: Audi A4, 3er BMW und Mercedes C-Klasse. Und die müssen sich warm anziehen, denn der XE ist wohl der ernsthafteste Konkurrent der letzten Jahre.

Unter dem Dach und mit den Milliarden des indischen Mischkonzerns Tata haben die Briten zu alter Stärke zurückgefunden. Einer der Imageträger ist neben dem SUV F-Pace der Super-Sportler F-Type, Nachfolger des legendären E-Type. Der neue XE ähnelt ihm, ist familientauglich und soll für die Briten den Marktanteil nach oben pushen.

Optisch unterscheidet sich der XE dramatisch von seinen Mitbewerbern. Die Sportlimousine hat mit 4,67 Metern Länge zwar in etwa die gleichen Maße, steht aber deutlich geduckter auf der Straße, sieht schon im Stand richtig schnell aus. Die lange, muskulös modellierte Motorhaube, der steil stehende Grill, die coupéartige Silhouette und die kurzen Überhänge lassen keine Zweifel aufkommen: Das ist der neue Chef-Dynamiker in der Mittelklasse.

Auf der Straße setzt der XE dieses Prädikat perfekt um. Dank der zu 75 Prozent aus Aluminium bestehenden Rohkarosserie (nur 251 Kilo schwer) ist er leichter und steifer als alle Konkurrenz, ohne an Crash-Sicherheit zu verlieren. Er ist fahrdynamischer als Mercedes und Audi. Dank des Heckantriebs und der idealen Achslastverteilung (51 Prozent vorne, 49 Prozent hinten) liegt er in dieser Disziplin voll auf Augenhöhe mit dem 3er BMW. Mit einer Doppelquerlenker-Vorderachse (wie im F-Type), einer Integrallenker-Hinterachse, der ungeheuer präzisen und der leichtgängigen elektromechanischen Lenkung ist der kleine Jag ein echter Kurvenräuber.

Das sportliche Design des XE birgt jedoch auch Nachteile. Durch das flach auslaufende Heck ist der Kopfraum hinten eingeengt, der Einstieg durch die knapp ausgeschnittenen Türöffnungen etwas unbequem. Der Platz in der zweiten Reihe ist nicht üppig, eher kuschelig. Der Kofferraum schluckt 455 Liter.

Im Innenraum findet sich genau das, was von einem Jaguar erwartet wird: ein Cockpit wie im Jet. In der breiten Mittelkonsole dominiert ein 8-Zoll-Touchscreen, die Zahl der Knöpfe ist überschaubar, die Rundinstrumente liegen in tiefen Höhlen, das neue Laser Head-up-Display projiziert farbige Graphiken über Tempo, Routen etc. in die Windschutzscheibe, sodass der Blick des Fahrers nicht von der Straße schweifen muss. Selbstredend, dass der XE gespickt ist mit neuester Technologie für Infotainment und Konnektivität sowie eine ganze Armada von Assistenten sein eigen nennt.

Zwei Selbstzünder und drei Benziner (alle mit Achtgang-Automatik von ZF) befeuern den Briten. Die neuen Zweiliter-Diesel leisten 163 und 180 PS, die Zweiliter-Vierzylinder-Benziner 200 und 240 PS. Topmodell ist der aus dem F-Type bekannte V6-Kompressor mit 340 PS (54 600 Euro). Der 163-PS-Diesel (36 500 Euro) macht auf Sparwunder: Nach Norm soll er nur 3,8 Liter (CO2 99 g/km) verbrennen. Die stärkere Version verbraucht 4,2 Liter, bei einem ersten kurzen Test waren es 5,8 Liter. Insgesamt beste Voraussetzungen für die britische Raubkatze, den deutschen Platzhirschen ihr Revier streitig zu machen.

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