Mitsubishi Outlander – Offroader für die Straße

Fast wär’s passiert. Die Tankpistole für Benzin schon in der Hand, fällt der Blick auf die Innenseite der Tankklappe. Was steht da auf dem kleinen weißen Aufkleber? „Diesel“. Oh Schreck, gerade noch mal gut gegangen. Der Super-Gau hätte gedroht: Fehlbetankung. Und dies nicht aus Leichtsinn oder wegen der Verwechslung der Tanksäulen. Nein, der 2,2-Liter-Diesel Mitsubishi Outlander läuft –wenn warm – tatsächlich so weich, dass er für einen Ottomotor gehalten werden könnte.

Der 150-PS-Motor (mit Automatik) glänzt jedoch nicht nur mit guter Laufkultur. 360 Nm Drehmoment zwischen 1500 und 2750 Touren sorgen für reichlich Durchzugskraft – obwohl er unten raus etwas zäh kommt. Die Sprintfähigkeiten (0 auf 100 in 11,7 Sekunden) sind ziemlich mau, die Spitze von 190 km/h geht in Ordnung. Der angegebene Norm-Verbrauch von 5,5 Litern ist Mitsubishis Wunschvorstellung – im Test schluckt der SUV im Schnitt 7,2 Liter – geht grad noch.

Mitsubishi hat dank seines Pajero mit zwölf Siegen beider Rallye Dakar Offroad-Legenden-Status. Den Outlander jedoch sehen die Japaner weder in der Wüste noch im Dschungel. Er ist komfortabler Reisewagen, ein Onroad-Crossover. Aber er kann auch Gelände. Mit dem adaptiven Allradantrieb wird normal nur die Vorderachse angetrieben. Das ist sinnvoll, denn es spart Sprit. Erst wenn Schlupf auftritt, schaltet sich die Hinterachse zu. Der Allradmodus lässt sich per Knopf vorwählen und ist dann permanent aktiv. Dabei werden die Antriebsmomente nach Bedarf variabel zwischen vorne und hinten verteilt. Das bringt Sicherheit auf schwierigem Untergrund und weitgehend neutrales Fahrverhalten in Kurven.

Mit einer Länge von 4,66 Metern (Breite/Höhe: 1,80 m/1,68 m) besitzt der mit knapp 1,6 Tonnen relativ leichte SUV stattliche Innenraummaße. Vier reisen sehr bequem, zu fünft geht’s auch – sogar sieben sind möglich, wenn die beiden Sitze in der dritten Reihe besetzt werden. Das sollte jedoch Kindern vorbehalten sein – sonst wird‘s ungemütlich. Die Sitze lassen sich spielend leicht ausklappen. Ansonsten schlummern sie ungenutzt unter einer Abdeckung des Kofferraums. Die Sitze in der zweiten Reihe können um 25 Zentimeter vor oder zurück geschoben werden. Das schafft wahlweise Raum für die Fahrgäste oder fürs Gepäck. Der Kofferraum schluckt bis 1754 Liter, die Ladefläche mit einer Länge von 1,69 Metern präsentiert sich nach Umlegen der hinteren Sitze vollkommen flach.

Dass der Outlander kein spartanischer Offroader sein will, ist am hochwertigen Interieur zu erkennen: Silberfarbene Dekorleisten in 3D-Carbon-Optik, Leder, Softtouch-Oberflächen und Applikationen in Klavierlack versprühen einen Hauch von Luxus. Die Ausstattung ist ungemein reichhaltig – die Zahl der Sonderausstattungs-Details lassen sich an einer Hand abzählen.

Wer die Topversion für 38 890 Euro kauft, erhält denn auch viel Auto fürs Geld. Empfehlenswert ist ein 1900 Euro teures Paket von Assistenzsystemen mit einem Tempomaten, der einen konstanten Abstand zum Vordermann einhält, einem Auffahrwarnsystem , das notfalls selbst bremst, und einem Spurhalteassistent, dessen piepsende Warnungen tierisch nerven. Am besten ausschalten. (autour/khf)

 

 

 

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