Emotionen mit Stern – der GLA

Die Marke mit dem Stern, früher eher bieder, setzt heute voll auf Emotion. Nach A-Klasse, CLA und C-Klasse rollt ein weiterer, auf jung getrimmter Mercedes über die Straßen: der GLA – ein kompakter SUV oder Crossover. Etwas spät, denn Audi, BMW und VW haben sich in diesem Segment bereits breit gemacht. Aber der GLA hat die Nase vorn vor dem viel zu braven Q3, dem hochbeinigen X1 und dem langweiligen Tiguan. Die Etablierten sehen alt aus. Der auf der A-Klasse aufbauende GLA hingegen besticht durch sein dynamisch trendiges Design. Er ist ein Hingucker.

Im Rückspiegel könnte man den geduckten, muskulösen GLA glatt für die A-Klasse halten, ist er doch nur etwa fünf Zentimeter höher (1,49 Meter) und wirkt damit ganz und gar nicht wie ein SUV. Vielmehr kommt dem Betrachter eine Kreuzung aus Kombi und Coupé in den Sinn. Das Plus von 13 Zentimetern in der Länge (4,42 Meter) schafft genügend Raum für vier Personen. Der Kofferraum ist wegen des flach abfallenden Daches kein Raumwunder, schluckt im Normalzustand 421 Liter, dachhoch beladen sind es 1235 Liter. Die Ladekante ist hoch, worüber die wichtige Zielgruppe Frau nicht amüsiert sein wird.

Der Blick in den Innenraum begeistert. Ästhetik pur. Fein verarbeitet wirkt alles, hochwertige Materialien setzen Akzente. Zur Wahl stehen edle Holzfurniere oder kühle Metall-Applikationen. Mein Favorit ist das helle, offenporige Pappel-Dekor. Todschick. Nicht jedermanns Geschmack trifft der aufgesetzte Bildschirm, der den Eindruck erweckt, als sei er nachgerüstet.

Das “G“ steht für Gelände und weckt Erwartungen. Der Ausritt ins Unterholz zur Schwammerljagd ist kein Problem – Allradantrieb vorausgesetzt. Wer jedoch auf die Basisversionen mit Handschaltung spekuliert, wird enttäuscht sein: Allrad gibt’s hier nicht. Nur eine Höherlegung von vier Zentimetern hilft im Gelände. Modelle mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe hingegen werden über alle vier Räder angetrieben. Die an die Hinterachse angeflanschte Lamellenkupplung schickt bei Bedarf Kraft (variabel bis zu 50 Prozent) an die hinteren Räder.

In unserem Testwagen 220 CDI 4MATIC werkelt ein Diesel mit 220 PS und dem satten Drehmoment von 350 Newtonmeter. Ein guter Motor. Aber die Laufkultur enttäuscht – zu rau, zu laut. Vermutlich zu wenig Dämm-Material. Leistung und Verbrauch überzeugen. Der Sprint auf 100 gelingt in 8,3 Sekunden, die Spitze liegt bei 215 km/h. Den Normverbrauch gibt Mercedes mit 4,9 Litern an. Im Test liegen wir bei 6,8 Liter.

Einsteigern bietet Mercedes den GLA für 29 303 Euro an. Der 220 CDI 4Matic kostet 39 252 Euro. Mit Sonderausstattung und Assistenzsystemen sind 50 000 Euro schnell überschritten. Emotionen mit Stern haben halt ihren Preis. (autour/khf)

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