Einst geschmäht, jetzt hoch gepriesen

BMW opfert ein kleines Heiligtum auf dem Altar der Vernunft: den Heckantrieb. Denn das neueste Modell der Münchner wird über die Vorderräder angetrieben.

Echte BMW-Fans raufen sich ob dieser Nachricht die Haare. Müssen sie nicht, denn neben dem neuen 2er Active Tourer, haben die Münchner für ihre eher sportlich orientierte Klientel genügend andere Alternativen im Programm. Und wenn man mit Erbsenzählen fertig ist und überlegt, dann ist der Frontantrieb ja gar nicht so neu bei BMW. Auch das Briten- Töchterchen Mini fährt damit – und zwar gar nicht schlecht. Für einen Kompakt-Van wie den 4,34 Meer langen und 1,56 Meter hohen 2er Active Tourer (Radstand 2,67 Meter) ist der Frontantrieb jedoch eine Alternative der Vernunft und bietet immense Vorteile. Denn so können die Triebwerke vorne quer eingebaut werden, was richtig Platz schafft im Innenraum – gleichwohl für Gepäck (468 bis 1510 Liter) als auch Passagiere, die außerdem eine höhere Sitzposition genießen. Harte interne Konkurrenz also zum sechs Zentimeter längeren X1, der bei weitem nicht an die üppigen Platzverhältnisse des Active Tourer heranreicht.

BMW baut diesen Van natürlich nicht aus Daffke, sondern hat auf des Volkes Stimme gehört. Produktmanager Dr. Frank Niederländer sagt: „Wir haben festgestellt, dass es für uns eine interessante Zielgruppe gibt, die heute kein Modell in unserem Angebot findet. Wir haben außerdem recherchiert, dass dieses Segment in den nächsten Jahren deutlich wachsen wird.“ Die Entscheidung für ein Premium-Fahrzeug, dass alle Ansprüche hinsichtlich „Freude am Fahren“ erfüllt, gleichzeitig aber wesentlich mehr Komfort und Variabilität im Innenraum bietet, war also nahe liegend. Im Premium-Segment trifft der 2er Active Tourer eigentlich nur auf einen Konkurrenten: die B-Klasse von Mercedes. Mit Abstrichen auch auf den neuen VW Sportsvan. Und hätte der Münchner Van nicht die typische Niere und den typischen Hofmeister- Knick in den hinteren Seitenfenstern, dann wäre er kaum als BMW zu identifizieren. Denn viel Spielraum bietet sich den Designern nicht, müssen sie doch im wesentlichen den Faktor Raum und Kompaktheit mit ihren  designerischen Vorstellungen in Einklang bringen. Kein Zweifel, das Design ist gelungen, der Active Tourer ein typischer BMW. Vor allem auch wegen seiner exzellenten Fahreigenschaften – trotz Frontantrieb.

Die elektromechanische Lenkung ist zielgenau, die neu konstruierte Mehrlenkerhinterachse hält stabil die Spur und spendet viel Komfort. Das passt, lässt den Heckantrieb eigentlich nicht vermissen, denn auch Antriebseinflüsse auf die gelenkte Vorderachse sind kaum spürbar. Ein Allradantrieb wird noch folgen. Vorerst fährt der 2er Active Tourer mit dem aus dem i8 bekannten 1,5-Liter- Dreizylinder mit 136 PS (Verbrauch 4,9 Liter) sowie einem Otto-Reihenvierzylinder mit 231 PS und dem bulligen Maximaldrehmoment von 350 Nm schon bei niedrigen 1250 Touren. Der Normverbrauch liegt bei 5,8 Liter. Die Diesel-Alternative ist ein Zweiliter-Vierzylinder mit 150 PS (330 Nm bei 1750 Touren). Der Normverbrauch liegt hier bei 4,1 Liter. Weitere Triebwerke sollen folgen. Bei der typischen BMW-Ausstattung finden wir optional alles, was gut und vor allem teuer ist. Neu ist hier ein Head-up-Display, das die Informationen nicht in die Windschutzscheibe sondern (aus Kostengründen) in eine knapp postkartengroße Kunststoffscheibe einspiegelt. Der Kostenvorteil für Kunden ist aber schnell futsch, weil das Teil nur gemeinsam mit der großen „Navigation plus“ für insgesamt 2490 Euro gekauft werden kann.

Die Preise: Der Van für aktive, freizeitorientierte Menschen startet bei 27 200 Euro für den BMW 218i und 42 900 Euro für die beiden Spitzenmodelle 220i und 220d.  (autour/khf)

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