Das Phänomen Dacia

 

Als Dacia im Juni 2004 sein erstes Billig-Auto auf die Menschheit loslässt, kann sich kaum jemand das Lachen verkneifen. Kein Wunder. Der Dacia Logan sieht schrecklich aus. Eine kantige Limousine mit einem unästhetisch hohen Heck und einem Innenraum komplett aus Billig-Plastik. Schnell aber steht fest, dass Dacia die genau richtige Strategie fährt, um den Logan billigst anbieten zu können.

Dacia, schon seit 1999 eine 100prozentige Renault-Tochter, folgt bei der Produktion der klassischen Lehre, dass sich die Form der Funktion unterzuordnen hat. Damit rechtfertigt sich auch das hässliche Heck. Denn schließlich schluckt der darunter liegende Kofferraum gewaltige 510 Liter. Voll ins Bild passt das kantige Design: Die Karosseriebleche des Logan sind so geformt, dass sie sich mit wenig Aufwand pressen lassen. Die Übernahme von millionenfach bewährter Technik aus dem Renault Konzern (Motoren, Getriebe, Fahrwerkskomponenten kommen vom Clio) reduziert ebenfalls Kosten, genau wie der Wegfall eines eigenen Händler- und Vertriebsnetzes. Das anfangs angekündigte 5000-Euro-Auto wird der Logan zwar nicht, aber mit dem Einstiegspreis von 7200 Euro ist er unschlagbar günstig.

2006 stellt Dacia der Limousine (in Deutschland nicht mehr lieferbar) den Kombi Logan MCV zur Seite. Mit bis 2350 Liter Ladevolumen und einem Preis von 7990 Euro ist er damals wie heute ein Verkaufsschlager. Allein die erste Generation des Logan findet weltweit mehr als 2,4 Millionen Käufer. Insgesamt hat Dacia bisher sechs Millionen Fahrzeuge an den Mann gebracht, allein im letzten Jahr mehr als eine Million.

Dacias Palette hat sich mittlerweile auf sieben Modelle erweitert. Und stets verfolgt die Marke konsequent das Ziel, das günstigste Fahrzeug der jeweiligen Klasse anzubieten. Preiswertester Dacia ist der hübsch gezeichnete Sandero, der heute 6890 Euro kostet. Ein echtes Basisfahrzeug ist dies, zwar mit vier Airbags, ABS und ESP, aber ohne sonstigem Schnickschnack, wie elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, Automatik, Klimaanlage, etc. Der turboaufgeladene Dreizylinder-Benziner mit 1150 Kubik und 75 PS schafft Tempo 162 und gibt sich mit fünf Liter zufrieden.

Der wohl größte Coup gelingt Dacia mit seinem Duster, einem wahrhaft schmucken SUV, der sich seit 2010 über eine Million Mal verkauft hat und zum meistverkauften Auto der Renault-Gruppe aufgestiegen ist. Der Basispreis von 10 490 Euro macht ihn zum günstigsten SUV Deutschlands. Wird er jedoch mit allen verfügbaren Goodies hochgerüstet, dann landet der geneigte Käufer bei rund 20 000 Euro – auch noch sehr günstig. Absolut bemerkenswert ist der Dacia Lodgy (9990 Euro), ein perfektes Familienfahrzeug. Der Kompaktvan bietet bis sieben Personen Platz, besitzt ein maximales Kofferraumvolumen von 2617 Liter und verbraucht als 90-PS-Diesel gerade mal 4,2 Liter. Ideales Handwerkerauto ist der Hochdachkombi Dokker Express (6690 Euro) mit dem gigantischen Ladevolumen von 3900 Litern.

So einmalig die Strategie Dacias ist, so außergewöhnlich ist auch die Preisphilosophie, die da heißt: Es gibt keine Rabatte. Auf den ersten Blick schade, aber es zahlt sich aus in punkto Wertstabilität. Schon das fünfte Jahr in Folge ist Dacia die Marke mit dem geringsten Wertverlust in Deutschland. (autour/khf)

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