Ein Mini im XXL-Format

Eigentlich war er ja schon immer fünftürig geplant. Damals, in den späten Fünfzigern, als Sir Alec Issigonis den ersten Mini entwarf, entstand auf dem Zeichenblock neben dem zweitürigen Klassiker auch die Skizze eines Fünftürers. Gebaut aber wurde er nie – bis jetzt. Ende Oktober nun rollt das Modell mit zwei zusätzlichen Türen (Mehrpreis 900 Euro) zum Händler – und BMW erhofft das Interesse vollkommen neuer Kundenkreise.

Mit einem Plus von 16 Zentimetern Länge (3,98 Meter), einem höher angesetzten Dach und steileren Seitenwänden ist dies zwar immer noch ein Mini, aber einer im XXL-Format. Der bajuwarische Brite spricht jetzt nicht mehr allein Singles und Couples an, sondern proklamiert selbstbewusst sogar das Attribut „familientauglich“ für sich.

Natürlich ist auch dieser Mini kein Raumwunder, ordnet sich größenmäßig etwa dort ein, wo sich VW Polo oder Opel Corsa befinden. Aber vier Personen reisen durchaus akzeptabel – wenn sie erst mal drin sind im Mini. Und zwar hinten. Die Türausschnitte nämlich sind sehr, sehr knapp bemessen. Und so müssen sich die Passgiere für die zweite Reihe zwar nicht zirkusreif verbiegen, aber gelenkig sollten sie schon sein. Sitzen sie erst mal, dann ist alles okay. Der Fußraum ist großzügiger (ein Plus von 7,2 Zentimeter zum Dreitürer) und die Ellbogenfreiheit um eine Handbreit komfortabler. Das Kofferraumvolumen geht in Ordnung, liegt zwischen 67 und 278 Liter, maximal bei 941 Liter. Praktisch sind Gepäcknetze, der geteilte Ladeboden und die 60:40 umlegbare Rücksitzlehne.

Wer nicht genau hinschaut, wird auf Distanz den Fünftürer kaum vom Zweitürer unterscheiden – so gelungen sind die Proportionen. Typisch der Hexagonal-Grill und die Kulleraugen-Scheinwerfer nach dem „Kindchen-Schema“. Auffallend die eckigen Fensterausschnitte. Innen ist ohnehin alles gleich geblieben – sehr schick, einiges ziemlich verspielt, wie etwa die Retro-Kippschalter. Auch ein bisschen Kitsch fährt mit: Vor allem die farbige Rand-Illuminierung (mal rot, grün oder blau) des pizzatellergroßen Displays im Zentrum des Armaturenbretts, die Rückmeldung über diverse Fahrzustände, Temperatur oder Navi-Hinweise gibt. Die mächtigen Wurlitzer-Musikboxen aus meiner Jugendzeit lassen grüßen.

Das Motorenangebot ist identisch wie beim Zweitürer: Drei Benziner (zwei Dreizylinder mit 102 und 136 PS sowie ein 192-PS-Vierzylinder) und drei Diesel (Dreizylinder mit 95 und 116 PS, Vierzylinder mit 170 PS) sorgen für Vortrieb. Basis ist der „Mini One“ mit 102 PS für 18 350 Euro, am oberen Ende rangiert der Top-Diesel „SD“ für 26 250 Euro.

Trotz des längeren Radstands hat der fünftürige Mini nichts von seinem Go-Kart-Feeling eingebüßt. Sein Lieblings-Terrain sind kurvige Landstraßen, die er so rasant durchwedelt, als gäb’s kein morgen. Sicherlich können das auch andere. Aber Mini ist halt Kult – ganz gleich wie viel Türen er hat. (autour/khf)

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