Alfas Giulietta kann auch giftig

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Von Klaus H. Frank

Der Name ist wie eine Liebeserklärung: Giulietta – Romeos Geliebte aus dem weltberühmten Shakespeare-Drama. Alfas derzeit wohl hübschestes Modell mit den vollendeten Formen einer italienischen Filmdiva trägt diesen klangvollen Namen. Doch sollte man wissen: Julia, die Liebliche, hat auch eine wilde Seite. Dann nämlich, wenn sie sich mit einem grünen vierblättrigen Kleeblatt (italienisch Quadrifoglio Verde) schmückt.

Quadrifoglio Verde (QV) steht für die sportlichste Linie der italienischen Traditionsmarke, ist eine Reminiszenz an den ersten Erfolg (1923) beim Langstreckenrennen Targa Florio, bei dem das Kleeblatt die Motorhaube des Siegerfahrzeugs von Ugo Sivocci zierte. Bei der Giulietta bedeutet QV in Theorie: Ein 1750-Kubik-Leichtmetall-Vierzylinder produziert mit Hilfe eines Turbos 240 PS. Die maximale Kraft von 340 Nm liegt zwischen 2100 und 4000 Touren an, 80 Prozent davon bereits bei 1900 Touren. So gerüstet sprintet die Giulietta giftig in nur 6,0 Sekunden auf 100 und zügelt ihren Vorwärtsdrang erst bei Tempo 244. Golf-GTI-Fahrer werden beim Wissen um das Sprintvermögen der scharfen Italienerin sicherlich blass. Denn selbst die stärkste „Performance“-Version (230 PS) der Wolfsburger braucht dafür 6,4 Sekunden. Den Normverbrauch beziffert Alfa auf glatt sieben Liter. Ein Wunschtraum ist dies. Denn lässt der Alfa-Pilot seinen Emotionen freien Lauf, dann leuchtet im Display durchaus auch mal die Unheil verheißende Zahl „13“ oder mehr auf – ganz schön durstig. Der Testverbrauch: 9,5 Liter.

Besondere Freude im Normal-Betrieb und auch bei Beschleunigungsorgien bereitet das sechsstufige Doppelkupplungsgetriebe TCT. Schnell und ruckfrei erledigt es die Gangwechsel und ist sogar gut für die sogenannte Launch-Control, die dynamisch orientierten Alfisti Schauer von Gänsehaut über den Rücken jagt. Ohne genau auf technische Details einzugehen bedeutet dies: Der Fahrer stellt nach Aktivieren des Dynamik-Modus den linken Fuß auf die Bremse, gibt mit dem rechten Vollgas, lupft dann die Bremse wieder – und schießt, wie von der Tarantel gestochen, in optimaler Beschleunigungszeit Tempo 100 entgegen. Eine Spinnerei sicherlich. Aber es macht Spaß.

Leider vermissen wir den zum Rennfeeling passenden typischen Alfa-Sound. Trotz Sound-Generator kommt da nicht viel rüber. Am leicht untersteuernden, aber recht komfortablen Kurvenverhalten ist kaum etwas zu kritisieren, wenngleich die 240 PS an den Vorderrädern bisweilen recht heftig an der Lenkung zerren. Stabilitäts- und Traktionskontrolle machen den Renner aber auch für Alfa-Novizen sicher fahrbar.

Der Basispreis von 32 500 Euro ist in Ordnung, dürfte lediglich nochmals die Golf-Fahrer ärgern, die für den Performance GTI etwa 2000 Euro mehr berappen müssen und dann beim Sprint nur noch den hübschen Po der italienischen Diva zu sehen kriegen. Hat aber auch was. (autour/khf)

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