Kia Sportage – Design „Made in Germany“

„Ihn hätten wir nicht gehen lassen sollen“, sagte einst VW-Patriarch Ferdinand Piech im Interview mit einem deutschen Automagazin und meinte damit Peter Schreyer, den begnadeten bayerischen Autodesigner, der für VW unter anderem den New Beetle und den Golf IV, für Audi den A2 und den TT gezeichnet hat. Heute schwingt Schreyer im Designzentrum in Frankfurt den Zeichenstift für Kia, eine Marke, die 1998 wegen Erfolglosigkeit vor dem Aus stand und von Hyundai übernommen werden musste. Vor der Schreyer-Ära (bis 2006) produzierte Kia relativ gesichtslose Modelle, überwiegend im schwülstigen Korea-Barock. Dann aber wurden alle Modelle komplett überarbeitet, neue Fahrzeuge eingeführt – allesamt mit dem markentypischen Kühlergrill (genannt „Tigernase“). Der Aufstieg begann. Die Hyundai/Kia-Gruppe ist heute viertgrößter Automobilhersteller der Welt.

Zu Kias Erfolgsmodellen zählt der in der Slowakei produzierte Sportage. Der dynamische SUV mit den betont hohen Schultern und der schmalen Fenstergrafik erhielt kürzlich ein behutsames Facelift, bei dem lediglich der Grill chromumrandet und die LED-Heckleuchten in 3D-Optik gestylt wurden. Tiefer gehende Einschnitte im Design wären bei dem Erfolg des Fahrzeugs geradezu absurd gewesen. Der Sportage hat Designpreise zuhauf gewonnen, u.a. den begehrten „red dot award“.

Zur Alltagstauglichkeit: Das Fahrwerk des Sportage ist gutmütig, aber dennoch nicht überzeugend. Die Balance zwischen Komfort und Straffheit wirkt etwas unharmonisch, das Fahrgefühl nicht souverän. Der Allradler mit 17 Zentimetern Bodenfreiheit neigt auf welligem Untergrund zum Stuckern. Kurze Querrinnen mag er trotz angeblich komfortablerer Hinterachsabstimmung überhaupt nicht. Ein echter Schwachpunkt ist die variable Servolenkung „Flex Steer“. Sie ist hakelig und gibt dem Fahrer das Gefühl, in der Mittellage stets korrigieren zu müssen. Positiv fällt die hervorragende Geräuschdämmung auf.

Wie bei allen SUV genießen die Passagiere dank hoher Sitzposition einen tollen Überblick über das Verkehrsgeschehen. Die Platzverhältnisse im 4,44 Meter langen Sportage sind großzügig. Sehr groß gewachsene Menschen dürften jedoch mit der für einen SUV geringen Höhe von 1,64 Meter Probleme bekommen – besonders in der ersten Reihe. Großzügig dimensioniert ist der Gepäckraum. Das Ladevolumen geht mit 465 bis 1353 Litern in Ordnung. Zum Vergleich: Der übermächtige Konkurrent VW Tiguan schluckt nur wenig mehr – zwischen 470 und 1510 Liter.

Das 136 PS starke Dieseltriebwerk des Zweiliter CRDi ist kein Temperamentsbolzen, kann deshalb vor allem all jenen empfohlen werden, die einen eher bedächtigen Fahrstil pflegen. Die Beschleunigung auf 100 dauert (handgeschaltet) 11,3 Sekunden (Spitze 181 km/h). Die Kraft von 320 Nm reicht jedoch, um den Sportage auch bei maximaler Zuladung von 540 Kilo nicht schlapp machen zu lassen. Der Verbrauch nach Norm: 5,7 Liter. Im wirklichen Leben sind es etwa eineinhalb Liter mehr.

Bei den Preisen hat sich Kia gängigem Niveau angenähert. Ein Sportage 2.0 CRDi AWD Vision liegt bei 28 240 Euro, die Basisversion (1,6-Liter Benziner mit 136 PS) bei 20 290 Euro. Ein vergleichbarer VW Tiguan jedoch kostet rund 5000 Euro mehr und ist mit seinem konservativen Design lange nicht so attraktiv wie der Koreaner. Mit Schreyer wär das nicht passiert. (autour/khf)

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