Golf Variant – Alternative zum Passat?

ampnet_photo_20130718_064643 Der neue Volkswagen Golf Variant

Schön war er nicht, der Golf Variant, als er erstmals im Jahre 1993 vom Band lief. Und auch mit den folgenden Generationen waren keine Design-Preise zu gewinnen. Dennoch: Die „Gölfe“ mit angepapptem Rucksack waren erfolgreich, obwohl der zusätzliche Laderaum mit einem hässlich langen hinteren Überhang erkauft wurde.

Beim aktuellen Golf Variant, exklusiv in Zwickau gebaut, ist alles anders. Diese Neukonstruktion basiert auf dem „Modularen Querbaukasten“, der den Konstrukteuren und Designern enorm viel Spielraum lässt. Quer eingebaute Triebwerke und ein langer Radstand schaffen üppige Platzverhältnisse und ermöglichen harmonische Proportionen im Design. Keine Frage, er ist gelungen: Der Variant wirkt sogar eleganter als sein kompakter Bruder.

In Sachen Nutzwert setzt der Golf Variant Maßstäbe, lässt geneigte Kundschaft grübeln, ob er dem größeren, teureren VW Passat nicht vorzuziehen sei. Denn der Golf Variant ist mit einer Länge von 4,56 Meter nur eine Handspanne kürzer als der Passat und hinkt mit dem Ladevolumen von 605 Liter dem großen Bruder (650 Liter) gar nicht so arg hinterher. Eigentlich reicht’s: Die Breite der Heckklappenöffnung misst 1,03 Meter, zwischen den Radkästen sind es 1,10 Meter – gut für den Transpost eines Kühlschranks. Und die 63 Zentimeter niedrige Ladekante erfordert keinen Muskelprotz, um das sperrige Teil in den Kofferraum zu wuchten. Die Laderaumlänge bis zu den vorderen Sitzen ist enorm: 1,83 Meter beträgt sie – und wird die Lehne des Beifahrersitzes umgelegt, dann passen sogar die ganz langen Regale (bis 2,67 Meter) aus dem schwedischen Möbelhaus rein. Praktisch sind der variable Gepäckraumboden, die Durchreiche für Skier und die Fernentriegelung für die 60:40 umklappbare Rücksitzlehne. Zuladen darf der Golf knapp 600 Kilo, an den Haken (wegklappbar für 845 Euro) nehmen kann er 1500 Kilo.

Im Fahrverhalten ist der Golf Variant ein Musterknabe, zieht brav durch Kurven und ist dank des längeren Radstands noch spurstabiler als sein kürzerer Bruder. Die Feder-/Dämpferabstimmung ist komfortabel, nicht zu straff, also typisch Golf, sodass die optionale 990 Euro teure Fahrwerksregelung DCC gespart werden kann.

Wer viel auf der Langstrecke unterwegs ist und Diesel nicht mag, ist mit dem direkteinspritzenden Turbo-Benziner 1.4 TSI mit 150 PS gut bedient. Der nämlich steht in Sachen Kraft (250 Nm ab 1500 Touren) einem Selbstzünder nur wenig nach, ist jedoch spritziger (0-100 in 8,6 Sekunden) und beim Verbrauch (Norm 5,3 Liter Liter/Testverbrauch 6,7 Liter) nur unwesentlich durstiger.

Wer in die Vollen greift und sich für die Top-Version „Highline“ entscheidet, erhält ein nahezu komplett ausgestattetes, hochwertiges und hervorragend verarbeitetes Fahrzeug, muss allerdings für den 1.4 TSI schon 27 450 Euro hinblättern. Das ist nicht wenig. Allerdings relativiert sich der Preis etwas, wenn der größere Passat als Alternative ins Spiel gebracht wird. Der nämlich kostet mit gleichem Triebwerk und als „Highline“ 34 675 Euro – exakt 7225 Euro mehr. Ob das die läppischen paar Zentimeter mehr Raum wirklich Wert sind?(autour/khf)

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