Kia Soul: Auffallen – zum Korea-Preis

Er fällt auf, der Kia Soul. Wer sich mit ihm ins Verkehrsgewühl stürzt, dem sind neugierige Blicke gewiss. Der stylische, zweifarbig lackierte (730 Euro Aufpreis) Koreaner kommt fast so daher, wie ein Fahrzeug aus den Kindertagen des Automobils: als kantiger Kasten. Quadratisch und praktisch. Nicht unhübsch – Stromlinienformen aber sind ihm fremd. Und das hat durchaus Vorteile, nicht nur wegen der guten Übersichtlichkeit. Denn der Innenraum des 4,14 Meter langen Soul besitzt geradezu fürstliche Dimension. Dank steil stehender Seitenwände und der außergewöhnlichen Höhe von 1,62 Metern gerät niemand in Gefahr seinem Sitznachbarn zu nahe rücken zu müssen oder sich die Frisur am Dach platt zu drücken. Enge herrscht nur im Kofferraum. Mickrige 205 Liter passen unter die Gepäckraumabdeckung – lächerlich. Und selbst bei dachhoher Beladung sind es nur 350 Liter. Wird die Rücksitzlehne umgeklappt, passen 1170 Liter rein. Das ist okay,

Das mit hochwertigen Materialien ausgekleidete Cockpit schmeichelt dem Auge und punktet in Sachen Ergonomie. Außer für die Klimatisierung ist es vollkommen frei geräumt von Knöpfen und Schaltern. Nahezu sämtliche Einstellungen werden über das optionale Acht-Zoll-Farbdisplay gesteuert, die restlichen über das mit Tasten fast überladen wirkende, auf Wunsch beheizbare Lenkrad. Die Ausstattung des Soul ist reichhaltig. Wer Geld für Spielerein übrig hat, kann dies in ein Sound & Navi-Paket (1290 Euro) investieren. Dann blinken die kleinen Lautsprechertürmchen auf dem Armaturenbrett wie in der Disco im Takt der Musik – Geschmacksache. Sinnvoller erscheinen diverse Assistenten, etwa für die Spurhaltung oder die Fernlichtautomatik.

Im Fahrverhalten wirkt der sehr straff abgestimmte Soul etwas pomadig, also wenig agil. In Kurven zeigt der Fronttriebler einen gutmütigen Charakter, seine Seitenneigung bleibt trotz des hohen Aufbaus relativ gering. Allradantrieb gibt’s nicht, wenngleich der Soul auch als kleiner SUV durchgehen könnte. Enttäuschend ist die Lenkung, die in der Mittellage hakelig wirkt und auch sonst recht gefühllos ihren Dienst verrichtet.

Der Motor des Testfahrzeugs, ein 1,6-Liter-Diesel mit 128 PS, passt zum braven Charakter des Fahrzeugs, mit dem wohl niemand sportlichen Ehrgeiz entwickeln will. 260 Newtonmeter Kraft bei 1900 Touren sorgen für eine etwas schlappe Beschleunigung auf 100 in 11,2 Sekunden – geht noch. Aber um die Spitze von 180 km/h zu erreichen, heißt es ordentlich Anlauf nehmen – das dauert. Der Testverbrauch von 6,4 Liter geht in Ordnung, wenngleich nach Norm glatte fünf Liter versprochen werden.

Der Kia Soul, dem seine Macher bereits Kultstatus nachsagen, ist eine nette Design-Alternative in der Kompaktklasse. Er erhält die Aufmerksamkeit, die sonst nur Ferraris oder ähnliche Exoten auf sich ziehen. Der Preis jedoch liegt auf Korea-Niveau. 24 990 Euro kostet die Dieselvariante – inklusive einer kaum schlagbaren Kia-7-Jahres-Garantie. (autour/khf)

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